Thema: Mix
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… hier in Speyer läuten gerade die Glocken, als müsste man die Welt erinnern, dass es dich noch gibt. Dabei sind Fernsehen und Zeitschriften dieser Tage voll von dir, feiern oder zumindest verfolgen deine ganz persönliche WM, deinen Grand Prix, deine Wrestlemania. Vielleicht gehört es zur gelebten Menschlichkeit der Katholischen Kirche, dass an diesem Wochenende gleich zwei Sieger gekürt und in die klerikale "Hall of Fame" aufgenommen werden.
Die meisten Leser erwarten von mir, dass ich mich nun hämisch äußere, den Pomp und die Absurdität der Veranstaltung ins Lächerliche ziehe und die Überlegenheit der Glaubensfreiheit (im Sinne von "frei von Glauben", nicht "frei zu glauben") proklamiere…
Es scheint, als habe mich Karma für den Abend in Osterwieck belohnen wollen – Donnerstag und Freitag war ich in einem Bauernhofmuseum und habe mit örtlichen Handwerkern satte vier Reportagen gestemmt. Anstrengend, aber angefüllt mit tollen Locations, netten Menschen und Königswetter.
Beim letzten Shooting war ich relativ durch, saß etwas abseits vom eigentlich Geschehen auf der Mauer eines alten Brunnens. Eine sehr schlanke Katze kam vorbei, plumpste vor mir in das Gras und rollte sich auffällig hin und her. Hier wollte jemand gestreichelt werden. Ich tat ihr den Gefallen – selten habe ich eine so liebesbedürftige Schnurrerin getroffen…
Ich glaube, man sollte Stellung beziehen. Sich nicht nur links oder rechts verorten, nicht nur in einzelnen Gesprächen einzelne Standpunkte vertreten. In den letzten Monaten habe ich es als sehr therapeutisch empfunden, auch im Kontext von Facebook-Diskussionen meine eigenen politischen, moralischen und gesellschaftlichen Grundsätze zu präzisieren. Manchmal in Form knapper Leitsätze, manchmal in Form flapsig formulierter Kommentare wie diesem:
"Nichts ist radikalisierten Minderheiten so zuwider wie eine zufriedene Mehrheit. In deren Augen ist eine zufriedene Mehrheit immer gleich eine tumbe, hirnlose, ignorante Masse von Schafen, die nicht das Licht sehen will…
Ich bin entwurzelt in diesen Wochen, entfremdet und ruhelos. Nach 25 Jahren aus einer Großstadt in die Provinz gezogen, zwischen Kisten lebend, für meine Zeitschrift viel auf Reisen, Schränke durch Koffer ersetzt. Einpacken, auspacken, waschen.
Osterwieck. Wie bin ich nach Osterwieck gekommen? Eine Reportage. Jemand möchte uns seine Heimat vorstellen, den Harz. Von der Redaktion bin ich halbgar gebrieft: Nur wenige Kilometer bis zur früheren deutsch-deutschen Grenze, ehemals Hochburg sozialistischer Metallverarbeitung, beliebte Wandergegend. Den Brocken kenne ich als „Hexenberg“ aus einem John Sinclair-Roman. Clooney hat hier neulich „Monuments Men“ gedreht…
Gerade war ich im REWE hier um die Ecke. Den Kühlschrank fülle ich ja aktuell angesichts des bevorstehenden Umzugs nur noch punktuell. An den Kassen war viel los, es staute sich. Den Grund entnahm ich einem überall aushängenden Zettel, der mich so fassungslos machte, dass ich eine Version gleich mal in die Tasche steckte, um sie mit euch zu teilen:
Das hat jemand in eine Textverarbeitung getippt, mehrfach ausgedruckt und überall angebracht. Wo war die Rechtschreibprüfung? Warum hat keine Kassiererin was gesagt? Sind die Kunden so maulfaul, dass sie nicht mal freundlich darauf hinweisen können, dass dieses Gestammel schon rufschädigend ist…
Ich hatte es schon angedeutet – die Verkäufe unseres Band-Buches laufen wohl ganz gut, auch die entsprechende Genre-Presse springt auf den Waggon. Wie es aussieht, werden die zwei ganz großen Schwergewichte der Branche uns demnächst noch mit Reviews beglücken, aber da möchte ich nicht vorgreifen.
Gestern habe ich am Bahnhofskiosk erstmal das neue "The Dark Side" erstanden:
Eine ganze Werbeseite ist unserem Projekt gewidmet:
But wait – there’s more!
Satte sechs Seiten hat man unserem Buch gegönnt – statt eines Reviews gibt es einen üppigen Auszug zu lesen…
… ich will mich gar nicht über Ihre Rede im Dresdner Staatsschauspiel auslassen. Das wäre Heischen nach billigem Beifall, denn welcher Mensch, der sich so nennen darf, würde Ihren ekelhaften und den Menschen verachtenden Thesen schon zustimmen?
Auslassen will ich mich stattdessen über Ihre Entschuldigung, zu der Sie sich nach dem massiven Druck im ZDF-"Morgenmagazin" haben drängen lassen. Weil es eine dieser Entschuldigungen ist, die an Widerwärtigkeit der ursprünglichen Aussage fast ebenbürtig ist, die Sie nicht entlastet, sondern vollends disqualifiziert.
"Das tut mir wirklich leid, der (Satz) ist zu scharf ausgefallen…
Im Internet macht in diesen Tagen dieses Posting die Runde – 20 Horrorstories, die aus maximal zwei Sätzen bestehen.
Da ich gerade an einer größeren Übersetzung arbeite, hielt ich es für eine nette Fingerübung, die Mini-Grusler nicht einfach zu verbreiten, sondern ins Deutsche zu übertragen. Dabei zeigte sich wieder sehr schön, dass zu einer adäquaten Übersetzung mehr gehört als ein Langenscheidt.
Viele Geschichten lassen sich gut übersetzen, wenn auch nicht wortwörtlich – die knappe Spannungskurve und die spezifischen deutschen Satzkonstruktionen verlangen immer wieder Umstellungen und Umformulierungen…
Manchmal wundert mich schon, was alles unkommentiert im Radio läuft. Der Text von Frank Zappas "Bobby Brown" ist die erstaunlichste Form von Pornografie, die selbst zur Kinderstunde über den Äther geht.
Dass Männer sexistischen Müll singen und Frauen eigentlich ausschließlich "Baby", "Babe", "Girl" oder im Stile eines Eskortservice "Lady" nennen, ist ja nun wahrlich nicht neu (löbliche Ausnahme: "Woman" von John Lennon). Viel mehr hat mich allerdings immer fasziniert, dass Frauen Texte singen können, in denen sie ihr gesamtes Geschlecht verraten und sich als ebenso unterwürfig wie hörig deklassieren…
Ich habe mich gerade entschieden, meine Reise nach Chicago nicht anzutreten. Es wartet in München gerade zuviel, besonders angesichts des Umzugs. Das kann ich nicht alles der LvA liegen lassen.
Ein Anruf bei der AirBerlin hat mir bestätigt, dass ich durchaus noch jemand anderen an meiner statt in die USA schicken könnte. Damit die Reise nicht vollständig verfällt, wäre ich bereit, auf knapp die Hälfte der Kosten zu verzichten.
Details:
24.2.-4.3. Frankfurt über Berlin nach Chicago und zurück.
Mietwagen für die komplette Zeit steht am Flughafen in Chicago bereit…