Thema: Ok Boomer
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Ahhh, es gibt mal wieder einen Text, den auseinanderzunehmen sich wirklich lohnt. Da wird jedes Klischee bedient, da brodelt in mir der aufrechte Zorn:
Der pro/contra-Artikel scheint eine Art Reaktion auf diesen Beitrag zu sein, in dem eine Frau mittleren Alters jammert, dass das erwartete Erbe von den Eltern mit üppigen Weltreisen rausgehauen wird. Das alte Pack säuft Cocktails am Pool, statt preiswert bei ALDI-Cola auf dem heimischen Sofa zu verwesen. Unverantwortlich.
Der Artikel steigt mit einem provokanten Titel ein:
Boomer, die im Alter das Erbe ihrer Kinder verjubeln – Geht’s noch…
Es ist ein Fehler, den ich einsehe und dennoch immer wieder wiederhole – man sollte sich von pseudo-seriösen "Nachrichten"-Quellen fernhalten, die ihre Inhalte entweder von Praktikanten oder KI-Schreibmaschinen verfassen lassen.
Aber wenn ich so etwas lese, dann triggert es mich und ich klicke eben doch:
Als echter Babyboomer geht mir die Generation Z natürlich genau so auf den Sack wie die Millennials. Ich suhle mich im Vorurteil, dass das alles weinerliche Faulpelze ohne Affektkontrolle sind, deren größter Traum es ist, als Influenzer mit dem Privatjet nach Dubai zu fliegen, und die sämtliche Probleme der Welt auf die vorhergehende Generation schieben…
Ich hatte gedacht, dass es allein schon statistisch wahrscheinlich sei, dass irgendwann einer dieser Beiträge der Journalistenschule einen validen Gedanken zur Grundlage hätte. Oder wenigstens einen dummen Gedanken, der stringent ausformuliert ist. Es kann doch nicht sein, dass ich so mühelos JEDES Essay auseinander nehmen kann, JEDEN einzelnen Satz.
Here we go again…
Der demokratisierende Effekt von Shitstorms
Ein Hammer-Titel, ich gestehe es. Eine provokante These. Und ich würde mich auf den folgenden Text freuen, wenn ich auch nur eine Sekunde lang glauben würde, dass nun eine plausible Argumentation folgt…
Ich muss Abbitte leisten. Wie es aussieht, habe ich bei meinen bisherigen Text-Autopsien einen Beitrag übersehen. Den hole ich nun nach, bevor ich mich dem neusten Pamphlet der journalistischen KiTa widme.
Schon den Titel möchte ich bestreiten:
Wir brauchen keine Jahrhunderttalente
Jahrhunderttalente (Sokrates, Mozart, Kant, DJ Bobo) bringen nicht nur die Zivilisation mit Schub voran, sondern stellen auch Ankerpunkte der Geschichte dar. Anders als andere Ankerpunkte (Attila, Hitler, Manson, Scooter) markieren sie positiv besetzte Umbrüche, erinnern nicht nur an das Potenzial des Menschen, sondern auch an seine Möglichkeit, tatsächlichen Wandel zu initiieren…
So, heute machen wir den Deckel drauf – zumindest bis die meedia-Redaktion einen weiteren Beitrag der Journalisten-KiTa freischaltet.
Titel:
Ihr Medien-Entscheider*innen müsst BIPoC-Journalist*innen fördern!
Hatten wir das nicht letztes Mal schon? Können die sich nicht mal in den ersten vier Beiträgen so koordinieren, dass sie nicht redundant werden? Andererseits: da diese jungen Schreiberlinge nur die eigenen Befindlichkeiten als Themen kennen, ist die Bandbreite sowieso beschränkt.
Der Journalismus in Deutschland ist sehr weiß. Das zeigt auch die Berichterstattung über Rassismus.
Ich ahne mal vorab: Den kurzen Weg von der Behauptung zum Beleg wird die Autorin nicht gehen wollen, weil ihr die Steigung "Recherche" zu mühsam ist…
Es scheint, als würde ich momentan primär "Wortvogel gegen die Welt"-Beiträge veröffentlichen, die mich wie einen frühzeitig vergreisten Menschenfeind aussehen lassen. Falls sich jemand Sorgen macht: das täuscht. Mir geht es gut. Meine Laune ist intakt. Ich verspreche, dieser Tage auch mal was Nettes zu schreiben.
Aber nicht heute.
Heute nehme ich mir den dritten "OK Boomer"-Beitrag von meedia vor.
Der Titel:
Weiß, cis, hetero, ungenügend – ein Plädoyer für mehr Diversität im Journalismus
Wie… überraschend. Eine weiße Jungjournalistin bezeichnet die eigenen Privilegien als ungenügend…
Die Diskussion über den OK BOOMER-Artikel zur Gendersprache führte neulich ja zu heftigen Diskussionen. Ich entschied mich daraufhin, auch mal die anderen OK BOOMER-Beiträge der Journalistenschüler durchzulesen. Sind aktuell nur drei – und die sind durch die Bank durchtränkt von einer scheuklappigen Selbstbezogenheit und einem Gefühl der postpubertären Allwissenheit, dass ich sie in den nächsten Tagen alle mal auseinander puzzeln werde. Während ich einerseits denke, dass man den Nachwuchs nicht zu hart rannehmen sollte, graust mich auf der anderen Seite die Vorstellung, dass DAS die Ansichten sind, die den Journalismus ab 2025 prägen werden…
Bei Meedia (ich übernehme jetzt einfach mal die Formulierung)
"schreibt die 58. Lehrredaktion der Deutschen Journalistenschule über ihre Perspektiven auf den Journalismus und ihre Visionen für seine Zukunft."
Und ich gestehe: da lese ich viel halbgaren, argumentativ nicht durchdachten und widersprüchlichen Unfug. Das mag dem Alter des Journalistennachwuchses geschuldet sein – mit 21 beim GONG habe ich auch viel halbgaren, argumentativ nicht durchdachten und widersprüchlichen Unfug geredet. Gottdseidank wurde der nie gedruckt und ich hatte noch kein Blog. Der Mangel an Podium und Plattform ist in vielen Fällen rückblickend ein Segen…