Thema: Uwe Boll
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Es widerstrebt mir wirklich, diesen Beitrag zu schreiben. Während ich diese Zeilen schreibe, weiß ich auch nicht, ob ich ihn veröffentlichen möchte. Eigentlich war er auch erst für den nächsten Monat gedacht, aber ich habe das Gefühl, dieses Thema altert nicht wie Wein, sondern wie Bananen.
In Sachen Uwe Boll gilt für mich momentan die Maxime aus WARGAMES:
THE ONLY WINNING MOVE IS NOT TO PLAY
Ich habe mich lange genug selber nicht dran gehalten, darum erstmal eine Boll-Retrospektive der letzten Jahre. Die ist wichtig, weil ich zeigen will, dass der Status Quo in Sachen Boll gar kein Status ist, sondern nur das Ende der Sackgasse eines Filmemachers, der seit drei Jahrzehnten dachte, auf der Autobahn zu fahren…
Ich habe heute einen Fastentag. Das heißt: Ich esse 36 Stunden lang gar nichts. Das macht mich sehr hangry. And you wouldn’t like me when I’m hangry.
Also mache ich jetzt einfach mal das bodenlose Fass Uwe Boll auf.
Uwe Boll hat nicht mehr alle Latten am Zaun, das ist bekannt. In seiner Zeit als Regisseur wurde er nicht selten (aber natürlich ungerechtfertigt) als "schlechtester Filmemacher aller Zeiten" bezeichnet – was in seinen Augen am korrumpierten System liegt, das Freidenker wie ihn unterdrückt und ausschließt:
"Dreht man in Deutschland einen Film über deutsche Helden wie Stauffenberg oder die Geschwister Scholl oder John Rabe, bekommt man Subventionen, TV-Gelder, Festivaleinladungen und Preise…
Ich hab’s hier echt schleifen lassen. Wird sich bessern, versprochen.
Manchmal fragen mich Leute nach meiner Meinung zu dies und das. Seltsam genug – was weiß ich denn schon? So kam gestern auf Facebook der Verweis auf das "Kurzprogramm" des Ex-Regisseurs und Restaurantbesitzers Uwe Boll mit der Bitte, es zu kommentieren. Denn jawohl, der Filmverbrecher und Kritikerverdrescher ist der Meinung, dass er nicht nur Kino besser kann als alle anderen, sondern auch Politik.
Boll ist dabei Sympathisant der "Das Haus Deutschland"-Partei, einer obskuren Mini-Vereinigung, die durchaus kritisch beäugt werden darf…
Es ist an der Zeit, euch mal wieder ein wenig "up to date" zu bringen. Ich habe mit Dr. Uwe Boll ein Interview vereinbart, das stattfinden wird, wenn wir beide Zeit haben und ich mich entsprechend vorbereitet fühle. Zählt also nicht in Tagen, lieber in Wochen.
Bei Facebook bot Boll kürzlich an, "mystery packages" für 100 Dollar zu verhökern. Kram aus seinem Büro, den er augenscheinlich loswerden wollte. Er dachte sich wohl, dass es bei Boll-Nerds besser aufgehoben wäre als im Container – und wer weiß, vielleicht war ja "Schwerter des Königs IV" so zu finanzieren…
Ich bin der Konfrontation nie ausgewichen. Ich habe viele seiner Filme verrissen, aber nicht ganz so undifferenziert, wie mir manchmal unterstellt wird. "Postal" habe ich sogar gemocht. Ein bisschen.
Vor einem Jahr habe ich Boll über Facebook und eine Email-Adresse, die ich im Netz gefunden habe, eine Interview-Anfrage geschickt, aber keine Antwort bekommen. Es ging mir nicht darum, den Mann im Gespräch vorzuführen. Aber es hatten sich so viele Fragen angesammelt, denen Boll in Interviews immer geschickt auswich – oder die seine Gesprächspartner nie stellten…
Mein erster Gedanke: Krekel-icious. Boll hat sich auf semi-professionelles Niveau herunter gearbeitet. Das hat so gar nichts mehr, erinnert in seiner Müdigkeit und Farblosigkeit (auch und besonders bei den Darstellern) an "Bloodrayne 2". Ich habe schon Schnitzel gegessen, die Dominic Purcell an die Wand gespielt hätten. Und der Rest der Besetzung ist vom Wühltisch osteuropäischer Seagal-Rohrkrepierer. Wer hätte gedacht, dass "In the Name of the King 2" durch den direkten Vergleich auf einmal wie ein richtiger Film aussieht und Lundgren wie ein Actionstar?
Was das noch mit "In the Name of the King" zu tun hat, was der albern unpassende Untertitel "The Last Job" soll, warum nicht mehr als ein Dutzend Komparsen zur Verfügung stand – geschenkt…
Ich weiß nicht, nach was ich gestern online gesucht habe, aber ich weiß, was ich gefunden habe.
Wir erinnern uns – so sieht das deutsche DVD-Cover von "Schmeling – eine deutsche Legende" aus:
Ein angemessenes Motiv für eine eher handzahme Boxerbiographie, die alle wirklich kontroversen Fragen mehr schlecht als recht umschifft. Es passt ins Bild, dass die Kritiker-Begeisterung sich auf den buckelnden Körzdörfer beschränkt.
"Schmeling" hat seine TV-Premiere am 5.2. um 0.30 Uhr in der ARD. Das finde ich etwas unfair, denn wie ich in meiner Video-Kritik schon sagte, kann der Film als historisches Biopic halbwegs überzeugen und würde in der Primetime sicherlich sein Publikum finden…
So aufwändig sahen Bolls filmische Visionen mal aus:
Mit gerade mal 13 Millionen Dollar Einspiel weltweit beendete dieser Film die Kino-Karriere des deutschen Ausnahmeregisseurs.
Am 27.12. erscheint Teil 2 auf DVD – wie zuvor bei "House of the Dead 2" und "BloodRayne 2" sind die Ambitionen mit dem Budget in den Keller gegangen, um dort einen schmutzigen und hässlichen Bastard zu zeugen:
Boll zerstört Franchises nicht nur – er pisst auch noch mal lachend auf die Leichen. Zumindest das kann er gut.
Es ist mal wieder an der Zeit, wie es scheint… seufz.
Vielleicht hätte ich weder "Blubberella" noch "Auschwitz" separat besprochen. Aber dann bekam ich beide Filme zeitgleich in die Hand und die Versuchung war doch zu groß – Bolls teilweise improvisierte Nazi-Vampirkomödie und sein großes erschütterndes "So waren die Nazicamps wirklich!"-Epos, die gehören einfach zusammen. Gerade WEIL ihr Macher verlangt, dass man die Relevanz des einen nicht an der Geschmacklosigkeit des anderen messen darf. Warum soll man die tumben deutschen Schüler, die vor lauter Twitter und Facebook die Konzentrationslager vergessen haben, nicht vom selben Regisseur aufrütteln lassen, dessen zeitgleich veröffentlichter anderer Film damit endet, dass eine fette Frau den Bösewicht zu Tode furzt…
Ich glaube gerne, dass Boll nach dem Ende seines Steuermodells und den Flops an den amerikanischen Kinokassen kaum noch Geld hat, das er in Dinge wie Drehbücher und Spezialeffekte investieren kann. Darum nutzt er ja auch Sets und Kostüme von "Bloodrayne 3: The Third Reich", um in ein paar Tagen fix "Auschwitz" runter zu kurbeln. Man recycelt halt, was geht.
Mittlerweile erstreckt sich diese Sparsamkeit auch auf das Promomaterial, wie es scheint.
Hier das Plakat von "Bloodrayne 3: The Third Reich", das auf dem diesjährigen AFM präsentiert wurde:
Und hier das Plakat von "Bloodrayne 2" von 2007:
Dass Rayne sich vom Wilden Westen bis zur Nazizeit äußerlich nicht verändert hat, mag ich bei einem Vampir ja noch glauben – aber dass sie ihren Lederfummel über 70 Jahre lang trägt…