• Lokaldebakel: Die Truderinger Umgestaltung als Verunstaltung


    Ich wohne erst ein paar Jahre im Osten von München, fühle mich hier aber sehr wohl. Eine exzellente Infrastruktur und perfekter ÖPNV machen den schnellen Ausflug sowohl ins Umland als auch in die City möglich, aber oft genug unnötig.

    Es liegt in der Natur der Sache, dass sich aus dem steigenden Wohlstand Münchens wachsende Speckgürtel nicht mehr exakt nach Dörfern unterscheiden lassen. Es entstehen Ringe, Streifen, Areale, Trabantenstädte, manche mit Kern, manche mit langsam aussterbendem Altbestand. Die Gentrifizierung tentakelt sich auch ins Umland.

    Dass bei der Planung und Steuerung der Landnahme Fehler gemacht werden…

  • Kommode redux: Aus alt mach blau


    Ich hatte vor zweieinhalb Jahren darüber geschrieben, dass ich meine alte fleckige Kommode vom Malermeister habe lackieren lassen, um sie für mein neues Arbeitszimmer fit zu machen. Mit dem Ergebnis war ich sehr zufrieden:

    Nun steht so ein Möbel ja nicht nur rum, sondern wird fleißig benutzt. Unter anderem habe ich darauf mit meinem schweren Papierschneider mehrere tausend Zeitschriften zersäbelt. Das führte zwangsläufig zu Kratzern, Splittern und Rissen. Dummerweise hatte der Malermeister in diesem einen Fall den Rest des Lacks nicht dagelassen, sonst hätte ich das schnell und schmerzfrei selbst ausbessern können…

  • Die Geschichte vom Heiligen Geist: Ein Lehrstück in Sachen Internetjournalismus


    Heute geht eine Geschichte durch so ziemlich alle Medien, die schockierend und auch ein wenig bizarr klingt: Ein junger kanadischer Schauspieler ist in Südkorea an den Folgen von über einem Dutzend Schönheitsoperationen verstorben, die er hatte vornehmen lassen, um auf dem asiatischen Markt reüssieren zu können.

    Rausgehauen hat den Knaller die Daily Mail, ein britisches Krawallblatt von fragwürdiger Seriosität:

    Und alle, alle springen sie auf den Zug auf: T-online, Gala, BILD, Promipool, die Berliner Zeitung, etc. Beim Promipool wird aus dem Schauspieler ein Influenzer. Davon abgesehen: Immer der gleiche Ablauf, immer die gleichen zwei Bilder, die den jungen Mann angeblich "vorher und nachher" zeigen…

  • Konzert-Kritik Spider Murphy Gang: Sultans of S(ch)w(ab)ing!


    Ich bin zwar ein Kind der 80er und ein Kind der NDW, aber meine Region war das Rheinland, die Heimat des deutschen Punk, Kraftwerk, Warlock. Die bayerische Kultur und die bayerische Mentalität waren mir damals fremd – was sich erst änderte, als ich 1990 nach München zog. Es dauerte dann noch ein paar Jahre, um mich mit dem Dialekt und der Szene anzufreunden. Darum bin ich auch in Sachen Spider Murphy Gang ein Späteinsteiger und habe erst Mitte der 90er herausgefunden, dass die Jungs über ihre NDW-Hits hinaus ein paar wirklich gute Songs abgeliefert haben…

  • Weniger dran, mehr drin? Geld in die Börse statt an die Börse!


    Die Geschichte der Geldbörse ist – <a href=" die Geschichte der Menstruation – eine Geschichte voller Missverständnisse. In Mittelalter versteckte man seine Dublonen und Dukaten im Gürtel, was auch so manchen Messerstich abfing. Mein Vater hatte in den 70ern eine Herren-Handtasche, deren chaotischer Inhalt durchaus vergleichbar war mit dem einer Damen-Handtasche – plus Schreckschusspistole, weil Taxifahrer. In den 90ern machte man sich mit peinlichen Gürteltaschen zum Honk. Never forget and never repeat:

    Ich kenne Freunde, die sehr lange diese riesigen Kellner-Geldbörsen mit sich rumtrugen, die mit einer Kette an der Gürtelschlaufe der Hose befestigt werden…

  • Überraschen, empören, entsetzen: Der Clickbait-Kappes


    Clickbait ist nichts Neues, aber als wirkliche Pest nehme ich es erst seit ca. 10 Jahren wahr. Dank Adblocker wird das Meiste bei mir rausgefiltert, aber besonders Werbeflächen auf Nachrichtenseiten und Vorschaubilder von YouTube mühen sich weiterhin nach Kräften, mit marktschreierischem Unfug zu locken.

    Dass die "genialen Tricks" meist nur Versicherungen und fragwürdige Diätprodukte und die "Wohnmobile/iPhones/Solaranlagen für fast nichts!" banale Ebay-Suchlinks sind? Geschenkt. Clickbait eben. Wer drauf reinfällt, hat verloren.

    Clickbait ist nicht gleich Clickbait. Man muss unterscheiden lernen. Das klassische Clickbait schreit laut, verspricht Emotionen ("bei Punkt 8 musste ich weinen!"), liefert am Ende aber nur aufgeblasenen Unfug…

  • Bruce Willis: Nachruf in 21 Trailern


    Gestern war der Tag. Auf internationalen Streaming-Plattformen wurde der Film ASSASSIN veröffentlicht. Nicht der letzte gedrehte Film von Bruce Willis, aber der letzte Release. Done. Finito. End of Willis. The Retirement of Bruno.

    Mit 68 Jahren beendet Willis seine Karriere wegen einer hirnschädigenden Krankheit – böse Zungen sagen, die Schauspielerei hätte er schon zur Jahrtausendwende eingestellt. Zum Vergleich die Action-Kollegen, die noch drehen: Schwarzenegger ist 75, Stallone ist 76, Clint Eastwood gar 92 Jahre alt.

    Dass Willis ein Narziss war, ein Angeber, ein Eierschaukler mit teilweise erschreckend schlechter Nase bei der Rollenauswahl…

  • Event-Kritik: Gruseldinner "John Sinclair"


    Ich bin bekanntermaßen ein großer Ex-Fanboy der Romanhefte über den Geisterjäger von Scotland Yard – obwohl der sich freut, wenn er im Autoradio (Mittelwelle) mal Roland Kaisers "Santa Maria" hört und sich penetrant "Stäbchen" anzündet, wenn er Zigaretten meint. Allerdings bin ich nach zwei, drei intensiven Jahren in den frühen 80ern der jugendlichen Begeisterung entwachsen und zum Stephen King-Leser gereift, wie sich das gehört.

    Nun scheint es, als würde alles, was ein gewisses Alter erreicht, mehr oder weniger freiwillig zum Kult erklärt – und "John Sinclair" gehört dazu…

  • Wortvogel-Tour 2023: Deutschland Deutschland, spürst du mich?


    In den 90ern, als ich noch jung und single war, da habe ich die Wochenenden in allen möglichen Ecken der Republik verbracht: München, Köln, Düsseldorf, Hamburg, Berlin – wo immer gerade die aktuelle Liebschaft lebte und/oder Party war. Freitags nach der Arbeit ins Auto, Sonntag nachts wieder zurück. Getreu dem Motto: 1000 Tage Fete, 1000 Nächte ohne Schlaf:

    Das hat sich geändert. Das Alter fordert seinen Tribut. Selbst nach einer entspannten Woche habe ich keine Lust, vom Wochenende 12 Stunden im Auto zu verbringen. Die Menschen, die wir kennen, feiern keine Feten mehr – und ihre Kinder im fetenfähigen Alter laden uns nicht ein…

  • Blinkist: Turbo für den Bücherdschungel oder sinnentleerte Abkürzung?


    Ich habe das erste Mal von Blinkist vor ein oder zwei Jahren gehört. Das Konzept klang für mich so nachvollziehbar wie bestechend: Statt elend viel Zeit an Sachbücher zu verschwenden, die sich nur selten als wirklich sättigend erweisen, lässt man sich die Auswahl einfach knapp zusammenfassen. Im Fall von Blinkist als Text oder als verkürzte "Hörbuch"-Fassung. Damit kann man sich für den Preis eines Monats-Abos durch eine ganze Bücherei fressen.

    In diesem Beitrag soll es nicht um Sinn oder Unsinn dieses Ansatzes gehen. Laut Wikipedia richtet sich Blinkist an "eher karriereorientierte Berufstätige im Stil einer jüngeren Gründer- und Kreativszene“…