Thema: TV-Kritik
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Wer in die Serie noch nicht eingestiegen ist, sollte vielleicht erstmal meinen First Look für die Basics lesen. Ich warte solange.
Was als Erstes auffällt: Die ersten ein, zwei Folgen waren mal wieder ein cleverer "misdirect" von Marvel, die Antäuschung in eine Richtung, um dann urplötzlich in eine gänzlich andere Richtung abzudrehen. LOKI ist eben KEINE Buddy-Zeitreisegeschichte, sondern ein komplexes galaktisches Multiverse-Abenteuer, das wie keine andere MCU-Produktion bisher die pompösen und deliriösen Epen von Jack Kirby referenziert. Geschichten, in denen so etwas als normale Doppelseite durchgeht:
So macht sich Loki auf die Jagd nach dem Variant-Loki, nur um sich mit diesem zu verbünden, andere Multiverse-Lokis zu treffen und die Frage zu stellen, wer eigentlich für den heiligen Zeitstrom verantwortlich ist und warum dieser kein Baum mit vielen Ästen sein kann…
… ich habe seit sieben Jahren an dieser Stelle keinen offenen Brief mehr geschrieben. Ich habe sogar das Tag für diese Sorte Beitrag gelöscht. Weil ich mich nicht mehr in das Tagesgeschehen einmischen mag. Das ist zwar immer schön krawallig, aber nie langfristig befriedigend. Der Aufreger von heute ist der Wikipedia-Eintrag von morgen. Man muss nicht zu allem eine Meinung haben.
Aber Sie haben es geschafft, Christine Westermann. Wegen Ihnen sitze ich jetzt hier und schreibe doch noch mal was "ins Gewissen", auch wenn ich ziemlich sicher bin, dass es nicht ankommt…
Story : Im Getümmel um den Kampf gegen Thanos ist es Loki gelungen, mit dem Tesseract zu fliehen. Leider hat er damit augenscheinlich den "heiligen Strom der Zeit" verändert, was die gigantische Time Variance Authority auf den Plan ruft, die für die Integrität von Raum und Zeit verantwortlich ist. Der Beamte Mobius M. Mobius nimmt sich seiner an und erklärt dem Gott des Schabernacks, dass es nun im Multiversum aufzuräumen gilt. Die Idee, zur Abwechslung mal einer der "Guten" zu sein, ist allerdings nichts, wofür sich Loki sonderlich begeistern kann…
Story : Die junge Alina Starkov wächst in einer Welt der Spannungen auf: die Reiche sind von einer gigantischen schwarzen Nebelwand durchtrennt, die sich nur unter großen Gefahren überwinden lässt. Mit besonderen Kräften ausgestattete Menschen, die Grisha, werden wahlweise verfolgt oder als Sondereinheiten den Truppen unterstellt. Alina selbst hat keine Ahnung, dass ihre eigene Begabung ihr eine Schlüsselrolle in dieser Welt zuweist: als "sun summoner" bringt sie das Licht und damit die potenzielle Zerstörung der Schattengrenze. Als "Heilige" wird sie an den Hof des Königs gebracht und kommt unter die Fürsorge von General Kirigan, der ganz eigene Ziele verfolgt…
Es war zu erwarten, dass die schiere Dominanz und der wirtschaftliche Erfolg des Marvel-Universums einige schräge Früchte tragen würde. Jeder will ein Stück vom Kuchen und wenn die Rechte von Spider-Man und Captain America vergeben sind, dann schaut man halt im "back catalog" nach, was noch frei ist. So kommt es, dass wir demnächst schon den zweiten Kino-Blockbuster basierend auf VENOM sehen werden. Darum gab es einen GENERATION X-TV-Film mit "Helden", von denen bis dato nur echte Marvel-Nerds gehört hatten. Darum adaptiert Marvel Sachen aus der B-Schublade wie INHUMANS und ETERNALS:
It’s not stupid if it works…
Story : Im viktorianischen England taucht ein seltsames Fluggerät auf und sät Lichtsporen, die vielen Menschen (vorwiegend Frauen) unterschiedliche Kräfte verleihen. Die "Touched" werden zuerst ausgestoßen und dann zur Gefahr für die Gesellschaft erklärt. Bei Amalia True und Penance Adair finden sie Unterschlupf. Doch die Schlinge zieht sich zu und das Geheimnis der "Touched" wird das Schicksal der Menschheit entscheiden…
Kritik : Es ist Schande genug, dass ich noch nie von THE NEVERS gehört hatte, bis die LvA mich darauf hinwies. Immerhin ist es die neuste Produktion von Joss Whedon, die ihn in vielerlei Beziehung zu seinen Wurzeln als TV-Showrunner zurück bringt (ein paar Vertraute aus BUFFY-Zeiten sind denn auch mit an Bord)…
USA 2021. Regie: Zack Snyder. Darsteller : Dave Bautista, Ella Purnell, Matthias Schweighöfer, Omari Hardwick, Ana de la Reguera, Tig Notaro u.a.
Story : Nach einem katastrophalen Ausbruch einer Zombie-Epidemie ist Las Vegas abgeriegelt worden und man hat es den Untoten überlassen – bis in ein paar Tagen ein taktischer Nuklearschlag das Problem radikal lösen soll. Der Ex-Soldat Scott Ward wird von dem Casinobesitzer Tanaka angeheuert, mit ein paar Spezialisten 200 Millionen Dollar aus einem Hochsicherheits-Safe zu retten, bevor es soweit ist.
Kritik : Früher war mehr Lametta…
Ich hab’s schon oft gesagt, und ich sag’s wieder und wieder: wir leben im "golden age" der Superhelden-Verfilmungen, in dem im Stundentakt Serien, Miniserien und Filme veröffentlicht werden, die wir uns früher nicht hätten erträumen können. Die Tricktechnik und die Budgets haben sich so weit entwickelt, dass alles, was ausgedacht werden kann, auch umgesetzt werden kann. Kurioserweise ist für mich THE MASK von 1994 der erste Film, der alle Grenzen sprengte, was die Darstellbarkeit eines Comic-Universums mit Hilfe von CGI angeht:
Das ist jetzt auch schon mehr als 25 Jahre her und Adaptionen, die ich früher wegen der Angst vor dem erwartbar grottigen Ergebnis abgelehnt hätte, räumen ab und begeistern längst nicht mehr nur das Nerd-Publikum, das von den Comics zwei Ausgaben gekauft hat, um eine zu lesen und eine in Plastik einzuschweißen:
Aber es sind nicht nur die "heavy hitter" unter den Helden, die etablierten und sauberen Figuren, die den Sprung vom Print ins Streaming schaffen…
USA 2021. Regie: Jeff Wamester. Sprecher (Original): Stana Katic, Matt Bomer, Elysia Rotaru, Chris Diamantopoulos, Omid Abtahi, Matthew Mercer, Armen Taylor, Liam McIntyre
Story : Als er Superman bei einem Kampf gegen Brainiac beisteht, wird Flash von einer geheimnisvollen Kraft in der Zeit zurück geschleudert und landet mitten im Versuch der gerade erst gegründeten Justice Society, den Zweiten Weltkrieg zu beenden. Eine Schlüsselrolle fällt dabei dem seltsam unberechenbaren Aquaman zu – und einem Kriegsreporter mit dem Spitznamen "Shakespeare"…
Kritik : Der FLASHPOINT-Arc ist ja spektakulär abgeschlossen worden, nun kann sich das DC Animated Universe wieder auf freistehende (und oftmals auf erfolgreichen Graphic Novels basierende) Scheiben/Streaming-Releases konzentrieren…
Vorab: Ich führe ab heute (und hoffentlich konsequent) eine neue Sprachregelung ein, die nicht nur, aber auch dem Streaming und dem "golden age" des digitalen Fernsehens geschuldet ist. Wenn ich von einer neuen Serie nur die erste oder zweite Folge gesehen habe, werden die Reviews den klaren Vermerk "first look" tragen, was auch bedeutet, dass ich die Serie nicht vollumfänglich beurteile. Wenn ich eine komplette Staffel gesichtet habe, bekommt die Kritik den Vermerk "final thoughts" und gilt als abschließend.
Die erste Staffel LOVE, DEATH + ROBOTS, auf die Rampe geschoben von den Kult-Filmemachern David Fincher und Tim Miller, war vor zwei Jahren so etwas wie eine Blendgranate…