Thema: TV-Kritik
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Weil ich das britische Fernsehen so ausdauernd lobe, könnte man unterstellen, ich wäre in Sachen Inselkrimis zu unkritisch. Dem ist nicht so. Englische Krimiserien sind nicht grundsätzlich besser als deutsche oder amerikanische Ware. Ganz im Gegenteil: langlaufende Seichtware wie INSPECTOR LEWIS und MIDSOMER MURDERS hat für mich den Reiz von ROSENHEIM COPS und FALL FÜR ZWEI.
Die Tatsache, dass wir aber in den letzten zwei Wochen gleich fünf neue Serien nach der ersten Folge abgebrochen haben, ist schon erstaunlich, zumal fast immer das Potenzial für einen neuen Liebling gegeben war…
Story : Wider Erwarten hat Peacemaker die Ereignisse von THE SUICIDE SQUAD überlebt. Er wird für ein neues Team rekrutiert, das eine Alien-Invasion abwenden soll – und bringt gleich seinen hyperaktiven Sidekick Vigilante und seinen Schoßadler Eagly mit. Dummerweise wird das Team an allen Ecken und Enden belogen, die Teilnehmer können sich nicht leiden – und Peacemaker hadert immer noch mit seinem Vater, einem knochenharten Redneck-Nazi, der ihm die spezialisierten Helme baut…
Kritik : Ich gesteh’s: ich fand schon die Idee einer PEACEMAKER-Serie kappes. Die Figur ist in THE SUICIDE SQUAD gestorben und ich hasse wenig mehr als die Tatsache, dass in Comic-Universen der Tod völlig entwertet worden ist…
ACHTUNG: SPOILER AM ENDE DES BEITRAGS IN FORM EINES VIDEOS!
Als wir die die Teenager-Helden von STAR TREK PRODIGY das letzte Mal gesehen haben, waren sie gerade aus einem galaktischen Gefängnis entkommen und hatten mit der PROTOSTAR ein experimentelles Föderationsschiff gestohlen – inklusive Janeway-Lehrhologramm. Ich lobte die hochwertige Animation und die knackig-schnörkellose Dramaturgie der ersten beiden Folgen, die sich zum besten Pilotfilm der modernen Trek-Ära addierten. Aber ich kritisierte auch den Mangel an TREK-Feeling – PRODIGY wirkte eher wie eine "5 Freunde auf der Flucht"-Version im STAR WARS-Universum…
Wir erinnern uns: In meinem FIRST LOOK zur neuen Star Wars-Serie lobte ich die Vertrautheit des Universums und der präsentierten Elemente, mahnte aber gleichzeitig an, THE BOOK OF BOBA FETT müsse sich deutlich bemühen, eine eigene Sprache und einen eigenen Look zu finden. Immer nur "Italo-Western auf fremden Planeten" kann nicht die Marschrichtung sein.
Leider ging es danach steil bergab und ich greife nicht sehr weit vor, wenn ich konstatiere: THE BOOK OF BOBA FETT ist – gerade im Vergleich mit den bisherigen Staffeln THE MANDALORIAN – ein Desaster…
Story : Ein Mann fährt durch die endlose Steppenwüste Australiens. Ein Truck. Eine Verfolgungsjagd. Ein Unfall. Der Mann erwacht im Krankenhaus. Ohne Gedächtnis. Wer ist er? Und warum wollen ihn so viele Leute tot sehen?
Kritik : Überspringt diesen Absatz, wenn ihr nicht schon wieder lesen wollt, in was für einem goldenen neuen TV-Zeitalter wird leben. Ist aber so. Ich bin im Gegensatz zu anderen Serienjunkies weniger glücklich über die Möglichkeit des Binge Watchings (für das ich keine Zeit habe), dafür umso mehr über die Renaissance der hochkarätigen Miniserie, die es der LvA und mir erlaubt, mit einer Folge pro Abend in einer Woche ein televisionäres Festmahl zu genießen…
Es ist riskant, sich frühzeitig festzulegen und es wäre klüger, bis zum Staffelfinale und den üblichen "final thoughts" zu warten, aber das hier ist mir ein Bedürfnis:
STAR WARS – THE BOOK OF BOBA FETT ist ein Debakel.
Ich kann es mir nicht schönreden, es nicht mal erklären. Regie Robert Rodriguez, Drehbücher Jon Favreau. Trotzdem ein Debakel. Wie konnte das passieren – besonders nach zwei fast mühelos grandiosen Staffeln THE MANDALORIAN? Wer hat DIESE Story abgenommen, DIESE Figuren? BOOK OF BOBA FETT hapert nicht mit einer kapitalen Fehlentscheidung, z.B…
Ich bin heute wenig motiviert, einen längeren Text zu schreiben, darum fasse ich mich kurz – kann ich in diesem Fall auch.
THE BOOK OF BOBA FETT ist nach zwei Staffeln THE MANDALORIAN der erste Spinoff des neuen Live Action-STAR WARS-Universums. Zeitlich können wir die Handlung diesmal ziemlich genau einordnen: alles spielt kurz nach den Ereignissen von EPISODE VI: RETURN OF THE JEDI. Boba Fett ist nicht vom Sarlacc verdaut, allerdings gleich danach von Javas ausgeraubt und Sandmännern versklavt worden. Aber er ist ein harter Knochen und kämpft sich mit Hilfe seiner Partnerin Fennec Shand bis zum Paten von Tatooine hoch…
Die fünfte Disney+-MCU-Serie hat zeitig zum Weihnachtsfest abgeschlossen – war es eine schöne Bescherung oder ist es doch der Avenger mit der Rute mit Köcher?
Schwer zu sagen. HAWKEYE ist sicher nicht bahnbrechend, komplex oder kontrovers wie WANDAVISION oder LOKI, auch nicht so bierernst wie FALCON & WINTER SOLDIER. Als humorvolle, actiongeladene Adventsserie mit vertrauten Helden und einer gehörigen Portion Selbstironie dient sie vielmehr als Epilog für Hawkeye und Prolog für HAWKEYE – was Sinn ergibt, wenn man alle Folgen gesehen hat. Buddy Comedy, ein bisschen Soap Opera, ein bisschen Reflexion über den Preis, den man als Superheld zu zahlen bereit sein muss…
Ich bin beinhart. Fange ich einen Film an, schaue ich ihn auch zu Ende. Miniserien? Werden durchgezogen. Mag nicht effizient sein, aber ich will mir nicht nachsagen lassen, ich hätte gekniffen. Dammit, ich schaue immer noch alle neuen STAR TREK DISCOVERY-Folgen! Als Nerd muss man mitunter leidensfähig sein.
Ganz selten aber werfe ich die Hände in die Luft und verkünde der Welt "That’s it, I’m OUT!". Meistens, wenn ich was mit der LvA gucke und merke, dass sie sich quält. Das mag ich nicht mitansehen…
Das Jahr geht zu Ende, wie es begonnen hat – mit einer neuen Marvel-Serie auf Disney+. Ob man WANDAVISION, FALCON & WINTER SOLDIER, LOKI, WHAT IF? und nun HAWKEYE mag oder nicht – die Leistung, fünf verschiedene und sehr effektlastige Properties mit insgesamt 36 Episoden in nur 12 Monaten in den Markt zu pumpen und dabei eine derartige Qualität zu halten, ist beispiellos. Zumindest im Bereich Fernsehen gilt die paraphrasierte Prämisse aus aus<a href=" INNER SPACE: "Die Marvel-Maschine – null Defekte."
Es verwundert daher auch nicht, dass man für HAWKEYE erneut einen frischen Ansatz wählt, der sich von allen bisherigen Serien unterscheidet – und ihn dann perfekt in die Vorweihnachtszeit einpasst…