Thema: BILD
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Ich sehe mich nicht als Rächer einer ordentlichen Rechtschreibung, als Zorro des Zeitgeistes, der jedem Denk-Rülpser im Netz hämisch lachend ein "D"* in die Wange ritzt. Nur in extremen Fällen fühle ich mich genötigt.
Heute z.B. ließen sich zwei Formulierungen beim besten Willen nicht überlesen, die ich nun präsentieren möchte.
Den Anfang macht eine Autorenzeile in der FAZ online:
Sehe nur ich das so, oder sollte die Komik, die Peter Richter den Themen verleiht, nicht besser voll beabsichtigt sein? Ich hätte auch nichts dagegen, wenn er in den Themen unfreiwillige Komik fände…
Ich freue mich, dass Christiane "Ich weiß es!" Hoffmann nun endlich wieder eine produktive Aufgabe gefunden hat – zusammen mit Caroline Hamann bestückt sie das "Mami-Blog" bei BILD online.
Nun ist bei BILD tragischerweise oft genug nachzulesen, dass der Zielgruppe gewisse Basis-Kenntnisse in Sachen Kinderbetreuung fehlen: zum Beispiel, dass man das Kind am Leben lassen sollte. Wohl auch deshalb fangen Hamann und Hoffmann mit… na ja… eher offensichtlichen Ratschlägen an:
Vor meinem geistigen Auge sehe ich tausende von Müttern, die sich mit der flachen Hand vor die Stirn patschen, und entgeistert ausrufen: "Ach SO…
BILD enthüllt zum Todestag von Siegfried Lowitz geschmackssicher wie immer, dass "Der Alte" eine Reihe von außerehelichen Affären hatte – unter anderem mit dem Erotik-Starlet Isa Haller. Da muss doch eine Galerie textilfreier Bilder drin sein, denkt man sich, und tatsächlich – BILD.de legt nackte Tatsachen vor.
Komisch nur – die harmlosen Nackedei-Aufnahmen von Frau Haller ("Dirndljagd am Kilimandscharo") sind allesamt züchtig verpixelt:
Nicht, dass wir uns die letzten zwei Quadratzentimeter nicht vorstellen können – aber seit wann bist du so prüde, BILD?
Ach ja: Mit den Altersangaben hat man in dem Artikel mal wieder so seine Probleme – das Alter von Lowitz' Witwe schwankt zwischen 67 und 87…
Schaut euch diese beiden Anreißer von BILD.de mal an:
Fällt euch was auf? Links ist es so, wie es sein sollte: Die Überschrift stellt eine Frage, der Anreißer gibt zusätzliche Info, und der geneigte Leser möchte auf "mehr…" klicken, um eine Antwort zu bekommen.
Rechts aber scheint ein Praktikant gewerkelt zu haben: Der Titel ist die Antwort auf die Frage im Anreißer. Warum sollte da noch jemand "mehr…" wissen wollen?!
Keine große Sache, aber eine erstaunlich auffällige Schlamperei, die ich vor 15 Jahren nicht einmal bei den Fernsehtipps für die "Super TV" durchbekommen hätte…
Ich wage mal die Aussage: das ist nicht Joachim Gauck, sondern der Münchner OB Christian Ude.
Das ist eine der verklemmtesten Schlagzeilen, die ich seit langem in der BILD gesehen habe:
Arsch-Schau in Aschau, denn es geht um einen Strand, an dem angeblich wilde Swinger-Parties gefeiert werden.
Auch hier lohnt es wieder einmal, auf die Details zu achten: weder äußert sich die (nicht sonderlich traumatisiert wirkende) Mutter dazu, WELCHE Ekelhaftigkeiten sie sich anhören musste, noch wird irgendeine zeitliche Einordnung gegeben (kann letzte Woche, aber auch vor drei Jahren gewesen sein). Auch der Plural der Schlagzeile fehlt plötzlich: die demonstrativ in die Kamera gehaltenen Kinder waren im Zitat plötzlich nicht mehr dabei…
Es ist ein guter Tag, um die Frage zu stellen, ob die BILD-Zeitung als Meinungsmedium nicht überschätzt wird. Beruht ein großer Teil ihres Einflusses gar nicht auf der tatsächlichen Möglichkeit, breite Bevölkerungsschichten mit Halbwahrheiten und Zuspitzungen zu mobilisieren – sondern nur auf unserem Glauben, dass dem so ist? Kultiviert die BILD ein Image als Leitmedium, das gar nicht zu halten ist?
Als Vorbereitung bietet es sich an, diesen Artikel bei "BILDblog für alle" zu lesen. Er zeigt schön deutlich, dass BILD sich mitunter parteiisch und mit zumindest unschönen Mitteln in politische Diskussionen einmischt…
Zugegeben, es ist eine Hammerstory: ehemaliger Popstar (weiblich! hetero! sexy!) ist angeblich HIV-positiv, hat angeblich Sexpartner angesteckt, und ist verhaftet worden.
Das Problem: alle Beteiligten halten bisher dicht, und BILD kann das Thema nicht annähernd so ausschlachten, wie sich die Meute das gerne wünscht.
Keine Informationen zu haben bedeutet aber natürlich noch lange nicht, keine Artikel bringen zu können:
Gute Frage. Wussten die No Angels was davon? BILD weiß es auch nicht, und deshalb wird die Frage einfach fünfmal gestellt:
Aufmacher: "Wussten die anderen "No Angels" vom Todes-Virus"…
BILD hat derzeit praktisch den gesamten Webauftritt dem Massaker in Winnenden gewidmet – in geschmackvollem Schwarz, aber mit dem üblichen Mangel an Rücksicht oder Pietät. Es hätte schon geholfen, kein Bild von der Reporterin vor Ort zu zeigen, die freundlich lächelt. Kleinigkeiten.
Sich darüber zu echauffieren, halte ich für sinnlos – so macht BILD das eben. Zyniker könnten sagen, so ein Blutbad ist für das Springer-Blatt (und andere, machen wir uns nichts vor) ein Geschenk. Sensationspresse braucht Sensationsnachrichten, und das hier ist eine.
Erstaunt hat mich eigentlich nur, wie lässig BILD weiter unten zum Tagesgeschäft übergeht:
Wäre es nicht einen Tacken besser gewesen, unter die Berichterstattung von Winnenden den Politik-Kasten zu setzen…