Thema: BILD
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Ich habe dieses handliche Taschen-buch kürzlich in einem Hotel in Koblenz liegen sehen. Nun bin ich ein erklärter Gegner des publizistischen Springerstiefels, der bevorzugt Schwächere tritt. Aber das Buch selbst ist ein Hammer: 748 Seiten, 11 Kilo, Format ca. A2. Kann man sich einen Bruch dran heben. Die reproduzierten Titelseiten der BILD bilden einen perfekten Boulevard-Spiegel der Republik und verraten auch viel darüber, wie sich das Blatt selbst gewandelt hat.
Kommt bei mir in den Schrank neben den Doppelband "Die erste Seite (FAZ)" und den prächtigen Schuber "Deutschland im SPIEGEL"…
Einige Dinge, die ich beim "data mining" meiner bisherigen Blog-Artikel herausfinde, erstaunen mich. Natürlich war klar, dass ich mich in meinen sechs Jahren als Wortvogel immer wieder mit Springers Flaggschiff auseinander gesetzt habe. Aber über 60 Beiträge? Das ist doch eine ganze Menge, zumal ich 2006 spät angefangen habe und in den Jahren 2011 und 2012 nur ein spärlicher Artikel hinzu gekommen ist. Demnach habe ich 2007, 2008 und 2009 der BILD 20 Beiträge pro Jahr gewidmet.
Zuerst dachte ich: diesen Aufwand KANN das Berliner Boulevard-Blatt nicht wert gewesen sein…
Seit drei Jahren verpixelt BILD online häufig nackte Brüste halbwegs prominenter Frauen. So geschehen auch bei den verschwommenen Screenshots von "Twilight"-Beauty Kristen Stewart, die in der Kerouac-Verfilmung "On the Road" alles in die Kamera hält, was sie hat:
Konsequenz ist allerdings nicht die Stärke der BILD-Leute – auf der Startseite wird der Artikel gänzlich unverpixelt angepriesen:
Wenigstens muss man sich bei Springer jetzt nicht mehr auf die eigene Phantasie verlassen.
P.S.: Peroy darf sich jetzt offiziell in Stein verwandeln…
Ich mache mir nur noch selten die Mühe, den gesammelten Unfug des Springer-Blattes zu sezieren. Es lohnt nicht. Heute aber kam es wieder so geballt, dass ich es mir nicht verkneifen kann.
Schauen wir uns mal diese Übersicht an:
Der Reihe nach…
Rupert Everett (schwul) sagt also, John Travolta (angeblich schwul) täte ihm leid. Weswegen? Man vermutet schwule Solidarität, aber die Frage/Antwort im Beitrag selbst ist ungleich perfider:
Seit Jahren kursieren Gerüchte, dass beispielsweise Ihr Kollege John Travolta ein Doppelleben führt?
Ja, für ihn, der sich ja nicht als homosexuell geoutet hat, muss es der Horror sein…
Ich hatte in den letzten zwei Jahren häufiger angedacht, wie die BILD ein "Girl der Woche" zu präsentieren. Striptease der harmlosen Sorte, topless als Maximum, versehen mit einem ironisch-launigen Text. Mir ist schon klar, dass vielen Stammlesern so ein billiges Buhlen um Klickzahlen auf die Nerven gehen würde. Aber ich war neugierig.
Der Gedanke dahinter: Seit Jahrzehnten ködern auch semi-seriöse Blätter wie SPIEGEL und STERN immer mal wieder mit nackten Tatsachen. Es gilt als legitim, im Printbereich mit weiblichen sekundären Geschlechtsmerkmalen zu werben, ohne damit die Respektabilität aufzugeben…
Zugegeben: Es ist eine tolle Schlagzeile – die noch dazu erlaubt, ein knapp bekleidetes Girl zu zeigen:
Mittlerweile dürften aber auch mittelbegabte Pennäler wissen, dass Stieren die Farbe Rot völlig egal ist.
Heißt das im Umkehrschluss, dass die Farbe Rot Männer also gar nicht scharf macht? Hhhhmmm…
… es gilt die einfache Faustregel: Wenn du bei einem Schauspieler den Namen eines Films drunter schreiben musst, den der Leser eventuell gesehen hat, und in dem der genannte Schauspieler eine kleinere Nebenrolle hatte – dann ist er kein Star:
P.S.: Ich bin mit der BILD noch nicht fertig. Aber dazu komme ich erst am Wochenende.
Papst-Bibel, Mama-Blog, und heute die große Schlagzeile "Pornografie verdirbt unsere Kinder!" – familienfreundlich-konservativer als die BILD kann man sich kaum geben.
Verlogener auch nicht.
Von der Anklage zum Anschauungsmaterial – ein großer Schritt für den gesunden Menschenverstand, aber ein kleiner Schritt für BILD online:
Und gleich darunter geht es dann vollends an Eingefleischte:
"Kinder und Jugendliche werden so immer früher mit Sexualität konfrontiert! Folge: ein völlig verzerrtes Bild von Sexualität, das Kinder anfällig macht für sexuelle Gewalt."
(Stephanie zu Guttenberg, heute in BILD)
Ich hatte ja schon mal von obskuren Presse-Beiträgen berichtet, die mir auf Ibiza unter die Augen gekommen sind. Ursache für den gesammelten kruden Unfug ist die Tatsache, dass hier viele Blätter für die fremdsprachigen Urlauber produziert werden, die sich praktisch komplett über das Anzeigengeschäft finanzieren. Meistens Immobilien. Wie schlecht die Magazine gemacht sind, oder was den Platz zwischen den Finca-Präsentationen einnimmt, ist so erschreckend wie augenscheinlich zweitrangig.
Nehmen wir mal dieses schöne Beispiel, das im Internet-Café meines Vertrauens auslag. Wie der Name schon andeutet, geht es auch hier um die Verschacherung von Haus und Grund…