Thema: Best of
62 Artikel
Ihr erinnert euch an meinen Zweiteiler über die obskuren Machenschaften einiger "Autoren" und besonders des in der Schweiz ansässigen "Verlages" Teleprogress, der willfährige Handlanger ältere Belletristik-Werke aufhübschen und unter ihrem Namen auf den Ebook-Markt werfen ließ?
Ein Monat später – Teleprogress ist komplett aus dem Netz verschwunden. Die Webseite besondere-autoren.de? Fehlermeldung. Die Webseite sex-erotische-geschichten.de, die besonders dem Verlagspseudonym Sunny Munich diente? Fehlermeldung. Die Facebook-Seite von Sunny Munich? Gelöscht. Die Webseite des "Autors" Andreas Parsberg? Fehlermeldung. Die Facebook-Seite von Parsberg? Gelöscht. Die Facebook-Seite von Andreas Riedel, der Person hinter Parsberg…
Dass die Amerikaner Kulturbanausen sind, ist eine Binsenweisheit, ein Klischee, und damit so oft wahr wie falsch. Wenn man allerdings so lange wie ich Filme und Fernsehserien schaut, könnte man in der Tat den Eindruck bekommen, dass in Hollywood primär Leute herum laufen, deren Horizont an der Grenze von Kalifornien endet. Das betrifft nicht nur Drehbuchautoren und Regisseure, sondern auch Ausstatter.
Nehmen wir Tim Burton, der in "Charlie und die Schokoladenfabrik" das malerische Gengenbach im Schwarzwald kurzerhand zur rheinischen Metropole erklärt:
Ich erinnere mich auch an eine Episode der Serie "Lightning Force", die am Bremer Marktplatz spielte – mit einem dicken weißen Schild "Marktplatz", ausschließlich amerikanischen SUVs und vielen Restaurantgästen vor bayerischen Bierseideln…
Es sind nicht nur Einzelpersonen oder überforderte Jungautoren, die sich die Finger schmutzig machen, um im Amazon-Ranking nach oben zu kommen. Manche "Verlage" verkaufen gesammelte Wikipedia-Artikel für teuer Geld als Bücher bei Amazon in der Hoffnung, dass der Kunde den Beschiss erst nach Erhalt der Druckware bemerkt. Und das ist rein rechtlich gesehen nicht mal zu beanstanden.
Es ist ja auch erschreckend einfach, sich bei Amazon in den Rankings hoch zu schmuggeln, wie dieser Artikel von The Hustle beweist – wobei hier nur belegt wird, dass man Chartpositionen beeinflussen kann, nicht aber den daraus resultierenden Profit…
Klar klingt das super: Self Publishing erlaubt jedem, wirklich JEDEM, seine Werke unter das Volk zu bringen. In den Computer tippen, in Ebook wandeln, auf entsprechenden Plattformen veröffentlichen, kräftig trommeln. Den Rest erledigt der Markt. Keine elitäre Vorauswahl durch Verlage und Lektoren, keine undurchsichtigen Vertriebsmechanismen, keine happigen Gewinnbeteiligungen für Mittelsmänner. Fairness und Gerechtigkeit für alle. Jeder, der Autor sein will, kann Autor sein.
Eine Kehrseite scheint offensichtlich: Self Publishing ist zunächst einmal Selbstausbeutung. Alle Zeit, alle Energie, alles Geld muss vorgeschossen werden, ist der Einsatz in einem fast unberechenbaren Spiel…
Es gibt eine Frau in England, die heißt Katie Hopkins. Die zieht primär durch Reality-Shows und schreibt Kolumnen, in denen sie dummes Zeug redet. So echauffiert sie sich, dass Prominente ihren Kindern gerne Namen von Örtlichkeiten geben (Brooklyn, Denver) – obwohl ihre eigene Tochter India heißt. Außer ein paar dumpfbackigen "Sun"-Lesern, die ihre Auswüchse mit einem gegrummelten "right on!" kommentieren, schämt sich das Königreich für diese anmaßende und zugleich unterbelichtete Frau. Das Ergebnis? Hopkins wöchentlicher Dünnpfiff produziert Blogger-Aufstände, Shitstorms, Gegenreden, Klicks, Quoten, Geld.
Bei der WELT schreibt eine hübsche junge Frau namens Ronja von Rönne Kolumnen voll…
Ich bin seit 25 Jahren in wechselnden Positionen und mit wechselndem Erfolg als Texter im weitesten Sinne, als Journalist im engeren Sinne tätig. Ich war nie wichtig, nie relevant, nie berühmt, konnte mir mit dem gedruckten und dem online gestellten Wort allerdings immer ein komfortables Leben verdienen. Zeitschriften gehörten und gehören zu meinen Auftraggebern, was dazu führt, dass ich gerne mal eine vom Mainstream abweichende Innenansicht der Branche habe. Die behalte ich gewöhnlich tunlichst für mich.
Gewöhnlich.
Aber heute fühle ich mich genötigt, auch mal ein paar Meinungsbrocken in die Runde zu schmeißen…
Ich neige nicht zu Sentimentalitäten, träume als jemand, der Landromantik verkauft, selbst wenig von Landromantik und dem "Häuschen im Grünen". Ich bin ein urbaner Mensch, der Lärm vor dem nächtlichen Fenster hasst, aber Leben vor dem nächtlichen Fenster braucht. Ich will von Kultur umgeben sein wie andere Menschen von Natur – ob ich sie tatsächlich nutze, ist dabei zweitrangig. Die schiere Möglichkeit zur Zerstreuung in vielerlei Gassen reicht oft, die konkrete Zerstreuung unnötig zu machen. Solange die Stadt da draußen auf mich wartet, ist alles gut…
Ihr erinnert euch vielleicht noch an diese etwas traurige Geschichte, die fast exakt ein Jahr zurück liegt. Der Pizzabote, der mich an unsere Abby erinnerte, was seltsam schön und traurig zugleich war.
Heute habe ich mir mal wieder eine Pizza bestellt, ganz außer der Reihe – eine frustrierte Belohnung für die Chicago-Reise, die ich absagen musste. Und wer kam die Treppe hoch gestapft? Er. Der Pizzabote. Wieder freundlich, wieder entspannt.
Ich entscheide mich spontan, ihm von den Nachwehen seines letzten Besuches zu erzählen. Schon als ich sage "Sie waren doch letzte Jahr noch da, als unsere Abby…", sprudelt es aus ihm heraus: "Mei, das tat mir so leid…
Bill Nye (The Science Guy) hat neulich mit Ken Ham diskutiert, einem strammen Verfechter der biblischen Schöpfungsgeschichte. Erwartungsgemäß hat der eloquente Ham versucht, dem Kern der Diskussion auszuweichen, in dem er nach Belieben verschiedene Sorten "Wissenschaft" definiert, die dann gerne auch mal die Existenz einer Gottheit nicht ausschließen:
Im Vorfeld hat man 22 Kreationisten gebeten, ihre Totschlagargumente gegen den Atheisten Bill Nye in Frageform auf Zetteln in die Kamera zu halten. Das ging dann schnell im Netz rum – und wurde von mir als Aufforderung verstanden…
Wer eine Filmkritik sucht oder einen ätzenden Kommentar zur Gegenwartskultur, der muss woanders fündig werden. Für "Doctor Who" ist diese Woche noch genug Zeit, auch für andere launige Themen mit und ohne Empörungsgarantie. Heute geht es um den Tag, an dem meine Eltern erfuhren, dass ich bald sterben würde. Da war ich gerade acht Jahre alt.
Ich kann nicht mal genau sagen, ob ich acht Jahre alt war. Ich mag sieben gewesen sein, vielleicht neun. Meine Mutter will ich nicht fragen, um die Erinnerungen an diesen Herbst nicht wieder wach zu rufen…