• Hyperland Redux (5): Selbstversuch Internet-Zensur: Eine Reise in die chinesische Türkei


    Originaltext Januar 2013:

    Es ist eine Nachricht, die eigentlich ihr Verfallsdatum überschritten hat: in der Türkei wird das Internet zensiert. Seit 2007 können lokale Strafgerichte Webseiten wegen allerlei schwammig formulierter Vorwürfe landesweit sperren lassen. YouTube wurde bis 2010 zwei Jahre lang blockiert. Und 2011 kursierte eine offizielle Liste mit 138 Wörtern, die in Domain-Namen fortan tabu sein sollten.

    Das alles klingt so überzogen wie weit weg. Aber wenn man zu den fünf Millionen Deutschen gehört, die jährlich in die Türkei reisen, wird die restriktive Telekommunikationskultur am Bosporus schnell zum Ärgernis…

  • Hyperland Redux (4): Kartenkino statt Kinokarten: Kommt das ALDI-TV?


    Originaltext April 2013:

    Der britische Supermarkt-Filialist Tesco lässt seine Kunden fleißig Treuepunkte sammeln – und bietet dafür jetzt neben Prämien und Gutscheinen Zugriff auf ein Streaming-Portal im Internet. Filme und Serien bekommen Besitzer einer Tesco Clubcard umsonst auf den Bildschirm. Eine Belohnung mit doppeltem Boden…

    In England ist Tesco einer der Marktführer unter den Supermarktketten – und allgegenwärtig: hat man keine Filiale in der Nachbarschaft, findet man meistens einen „Tesco Express“ mit reduziertem Sortiment. Weltweit rangiert das Unternehmen hinter Walmart, aber vor Metro. Jahresumsatz: 70 Milliarden Euro…

  • Hyperland Redux (3): Coaching Apps: Der Privattrainer aus dem Handy


    Originaltext Februar 2013:

    Das frühe Leben ist geprägt von den Menschen, die uns antreiben, lebensfähig machen, von Dummheiten abhalten. Die Mutter, die uns aus dem Bett scheucht. Der Lehrer, der uns Hausaufgaben gibt. Der Vater, der uns das Rauchen verbietet.

    Dem erwachsenen Mensch, besonders dem Single, mangelt es mitunter an Antrieb. Zivilisierte Trägheit macht viele von uns krank, fördert Diabetes und Fettleibigkeit. Es liegt eine tiefere Wahrheit darin, wenn so mancher seufzt: „Ich könnte sofort fünf Kilometer laufen, wenn ich erstmal vom Sofa hoch käme.“

    Ein neues Leben – mit digitaler Effizienzerziehung…

  • Hyperland Redux (2): London: Nahverkehr mit Vergangenheit – für die Zukunft


    Originaltext März 2013:

    London ist eine der ältesten Großstädte Europas. Der Kampf gegen den Kollaps der Infrastruktur hat hier Geschichte. Vielleicht ist die Stadt gerade deshalb Vorbild und Testlabor für viele Innovationen auf dem Gebiet der urbanen Verkehrsplanung.

    Als 1863 die erste U-Bahn der Welt in London den Betrieb aufnahm, ging es noch nicht um Smog und Parkplätze, sondern um Schlamm und Pferdeäpfel. Große Mengen Pendler mussten durch den zunehmend industrialisierten Großraum transportiert werden, ein effizienter Nahverkehr wurde gebraucht.

    1987 kam die Docklands Light Railway dazu, eine Art S-Bahn-System für den boomenden Londoner Osten, welches weitgehend fahrerlos auskommt, auch wenn die Züge selbst noch Service-Personal mitführen…

  • Wortvogels Wochenspiegel (4)


    Derzeit in Oslo – bringt mir den Kopf von Spider-Man!

    Anlass: "Marvel Universe Live". Eine tolle Sache für die ganze Familie, fettes Pyro-Spektakel und beeindruckende Stunts inklusive. Man bekommt wirklich so eine Art Avenger-Film vorgespielt, plus X-Men und ein paar bisher im Film vernachlässigte Figuren wie Ms. Marvel und The Black Cat. Man hätte mir nur vorher sagen können, dass die Dialoge natürlich auf norwegisch sein würden…

    Norwegen und Oslo generell? Klasse. Verhält sich zu Deutschland wie Kanada zu den USA. Man möchte bleiben, aber die sind alle so schön, sportlich und jung hier – die würden uns nicht wollen…

  • Wortvogels Wochenspiegel (3)


    Ich denke : Dass ich Schattenrasen bis letzte Woche für das Gegenteil von Schattenparken gehalten habe. Dass ein "Denver Clan"-Reboot ohne Schulterpolster und ozonfeindliches Haarspray nicht funktionieren kann. Dass Kürbiskerne in Schokolade zu lecker sind. Dass Oettinger so ziemlich der peinlicheste Büttel der Medien-Mogule ist, den man sich vorstellen kann (aber nicht will). Dass wir einen wunderschönen Sommer hatten. Dass der Oktober richtig gut startet.

    Ich lese: Den SPIEGEL. Erstmals seit Monaten. Weil ich ihn wieder lesen KANN. Dank meiner ersten Gleitsichtbrille. Der Wortvogel ist nun offiziell ein alter Mann…

  • Abandoned: "Agent X – Das Abenteuer deines Lebens"


    Unter den vielen Projekten, die ich in den Jahren 2000 bis 2010 entwickelt habe, gibt es kaum weiße Flecken – fast alles kann ich aus den Tiefen meiner Festplatten ausgraben, seien es Pitch Paper oder lediglich Promotexte.

    Heute habe ich mir allerdings die Zähne ausgebissen. Außer einer Mail, dass ich dieses Projekt Michael "Bully" Herbig und ProSieben präsentieren wollte, spuckte meine digitales Archiv nichts aus.

    Das ist aber kein Problem, denn der Grund, warum ich "Agent X" ausgerechnet jetzt vorstelle, ist die Existenz eines Videos, das wie ein "proof of concept" für die actionreiche Reality-Show aussieht – und es ist von Matt Damon:

    Ehrlich gesagt war ich total baff, als ich das gesehen habe…

  • Things to go to: Things to come


    Gestern wurde im Deutschlandradio das Konzept der heute startendenden Ausstellung "Things to come" in Berlin vorgestellt:

    Things to come

    Ich bin ein Freund der Stiftung Deutsche Kinemathek, ein Fan des Themas "Utopien in Film und Fernsehen" – und generell finde ich, dass solche Sachen unterstützt gehören. Ich werde mir das sicher vor Ort ansehen:

    Aus gegebenem Anlass möchte ich an dieser Stelle noch mal auf ein Interview mit mir selber hinweisen, das gleiches Territorium für eine Studentenzeitschrift beackerte.

    Und schließlich gibt mir das die Gelegenheit, kurz von einem titelgleichen, aber anders gelagerten Projekt zu erzählen, das ich leider aus Zeitgründen nie verwirklichen konnte…

  • Abandoned: Das Wortvogel Superhero Universe


    Es zahlt sich aus, dass ich alle meine alten Unterlagen in der Cloud gespeichert habe – nicht nur Kontoauszüge, sondern auch meine Mails seit 1995, die Anhänge, meine Konzepte, Faxe, Recherche-Materialien. Dadurch finde ich immer wieder mal kuriosen Kram, der durchaus noch Funktion hat. So behauptete Schauspieler Matthias Hues kürzlich, er arbeite aktuell an einem Sequel zum Lundgren-Kracher "I come in peace", in dem er den (am Schluss getöteten) Alien-Bösewicht spielte. Ich konnte nachweisen, dass Hues dieses Konzept schon seit satten 19 Jahren herum schleppt – weil ich es selber 1997 per Fax für ProSieben abgesagt hatte…

  • Abandoned: Zehn kleine Negerlein/Indianer/Soldaten


    Die Zeit zwischen den Tagen haben die LvA und ich unter anderem damit verbracht, uns die bisher beste Verfilmung von Agatha Christies Krimi-Klassiker "Zehn kleine Negerlein" anzusehen, natürlich von der BBC und extrem hochkarätig besetzt:

    Tatsächlich gelingt dem Dreiteiler das Kunststück, Christies eigentlich komplett unfilmisches und unbefriedigendes Ende beizubehalten und doch mit erzählerischer Rendite abzuwandeln. Ich werde einen Teufel tun und euch verraten, wie sie das machen.

    Müsste ich Kritik anbringen, dann allenfalls die, dass das ursprünglich titelgebende, den veränderten sozialen Gegebenheiten immer wieder angepasste Gedicht in der Verfilmung nie prominent verlesen wird, was es dem Zuschauer fast unmöglich macht, daraus Hinweise zu puzzeln…