• Micro-Reviews (5): Miniserien mit Mumm


    Es wird gerne behauptet, das Fernsehen habe nichts mehr zu sagen, ergehe sich in endlosen Redundanzen und gauklerischer Ablenkung der Massen. Die Erzählkraft und der Aufwand des Mediums steigern sich von Dekade zu Dekade, aber die einigende Kraft des TV-Events, sie ist dahin.

    Natürlich gibt es weiterhin großartige und aufwändige Miniserien, aber diese sind zumeist Fantastereien ohne direkten Bezug zur Welt, in der wir leben. Sie erzählen, aber sie sagen nichts aus. Ihnen folgt kein Diskurs in der Raucherpause am nächsten Tag, keine Aufnahme in den Kanon des Sozialkunde-Unterrichts…

  • Blick zurück im Zorn: "RTL Samstag Nacht"


    Anfang der 90er Jahre stand das deutsche Privatfernsehen noch auf sehr wackeligen Füßen. Ausländische Serien und Spielfilme dominierten das Programm, ein paar Klassiker, erste Versuche in Sachen Shows und Sport, Bumsfilme in der Spätschiene. Bei Eigenproduktionen orientierte man sich besonders bei RTL vorsichtig an global bewährten Hits: "Tutti Frutti" kam aus Italien, "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" hatten die Australier erfunden, "Hilfe, meine Familie spinnt!" war eine deutsche Version von "Eine schrecklich nette Familie".

    Kein Wunder, dass mit "RTL Samstag Nacht" 1993 versucht wurde, das Konzept von "Saturday Night Live" auf den deutschen Markt zu übertragen…

  • Kino-Kritik: Ant-Man (spoilerfrei)


    USA 2015. Regie : Peyton Reed. Darsteller : Paul Rudd, Michael Douglas, Evangeline Lilly, Corey Stoll, Bobby Cannavale, Judy Greer u.a.

    Story : Der Kleinkriminelle Scott Lang hat den größten Teil seines Lebens vergeigt – die große Liebe, das Sorgerecht für die Tochter, den Beruf. Dann trifft er auf den genialen, aber zurück gezogen lebenden Super-Industriellen Hank Pym. Dieser war einst der Superheld "Ant-Man" und sieht in Scott den idealen Nachfolger, damit seine Technologie nicht in die falschen Hände gerät.

    Kritik : Mancherorts wird einer Marvelmüdigkeit das Wort geredet, es ist gar die Rede davon, die Marvel-Blockbuster würden als Fließbandproduktionen im besten Fall nur das Big Budget-Kino, im schlimmsten Fall gleich ganz Hollywood kaputt machen…

  • Micro-Reviews (4): Kickass TV-Filme


    Ich bin ein totaler Fan von Fernsehfilmen als eigene Kunst-, bzw. Erzählform. Nicht so sehr heute, wo die Produktionen in Sachen Budget und Cast locker mit Kinofilmen mithalten können. Ich rede von früher, als 15-20 Drehtage ausreichen mussten und Millionenbudgets nicht mal träumbar waren. Damals behalf man sich mit guten, fettfreien Drehbüchern und arrivierten Schauspielern. Darum blättere ich auch so gerne in dem Band "Movies made for Television". Ich habe die großartige Hardcover-Erstausgabe von 1980. Da fehlen zwar alle neueren TV Movies der späteren Jahre, aber dafür gibt es Hunderte extrem seltene Fotos der Produktionen von 1964 bis 1979…

  • Micro-Reviews (3): Fantasy Filmfest-Nachlieferung


    Ich würde im Laufe der nächsten Monate glatt noch Reviews aller Filme nachliefern, die ich vor meiner Bloggerzeit auf dem FFF gesehen habe. Blöd nur: An die meisten kann ich mich bestenfalls rudimentär erinnern. Darum picke ich mir im Rahmen der Micro Reviews ein paar raus, die halbwegs Eindruck hinterlassen haben. Die Vorgabe diesmal: Nichts nachschlagen, alles aus dem Kopf erzählen.

    Blue Steel Nach "Near Dark" dachte ich, Kathryn Bigelow könnte die erste relevante weibliche Stimme des Genrefilms werden. Aber sie wollte nur die Respektabilität Hollywoods und lieferte als nächstes einen vorgeblich frauenstarken, aber in Wirklichkeit alle Klischees bedienenden "Thriller" über eine Polizistin, die sich in einen Fetischisten verknallt…

  • Ein Handschlag über das Jahrhundert hinweg


    Es ist eine Binsenweisheit, dass die Geschichte von Siegern geschrieben wird. Eine weitere, dass historische Ereignisse greifbarer und realer sind, wenn man einen persönlichen Bezug zu ihnen hat. Das hat sich heute bewiesen – auf eine mich bewegende Weise, die ich teilen möchte.

    Mein Großvater hieß Nikolaus Plotes. Er war im Zweiten Weltkrieg als Belgier von den Deutschen nach Düsseldorf zwangsverschoben worden, um dort zu arbeiten – als Uhrmacher konnte man seine feinmechanischen Fähigkeiten gut brauchen. Nach der Kapitulation des Dritten Reiches kehrte er für ein paar Jahre in das heimatliche St…

  • Micro-Reviews (2): B-Kino der 80er


    Heute bespreche ich mal völlig willkürlich und sehr knapp ein paar Filme aus der Zeit, als Kino noch Taschengeld und Eiskonfekt war, Straßenbahn und Nachmittagsvorstellung. Was damals so alles in die großen Säle des Rex kam, in die kleineren des Residenz-Centers, ins Savoy…

    Grundbedingung für diese Liste: Alle Filme habe ich mir damals tatsächlich beim Erst-Release auf der großen Leinwand gegönnt. Nicht später auf Video, nicht in den letzten Jahren auf YouTube. Meine Erinnerungen sind damit absolut unverfälscht und authentisch.

    Timerider – Mit der Cross-Maschine auf Zeitreise Ein launiger Action/Western/SF-Hybrid, der mich mit Fred Ward bekannt machte und dessen depperte Grundidee (ein Motocross-Fahrer landet durch ein Zeitexperiment im Wilden Westen) vom Skript voll erkannt und ausgeschlachtet wird…

  • Ripoffs: The Italian Job (mit Gewinnspiel!)


    Nachfolgend ein (gekürzter) Text, den ich Ende Oktober 2014 für das Booklet von "The Executor – Der Vollstrecker" geschrieben habe. Weil er mit leichten Änderungen einen – wie ich finde – ziemlich guten Abriss der italienischen Trittbrettfilmer-Geschichte darstellt, wollte ich ihn euch nicht vorenthalten.

    Die DVD/Blu-ray-Box ist mittlerweile auch erschienen – und wird am Ende dieses Beitrages verlost.

    Die italienische Filmgeschichte ist seit jeher ein schmerzlicher Kompromiss von Kunst und Kommerz. Nach frühen Erfolgen wie „Cabiria“ (1914) litt die Industrie – ähnlich wie in Deutschland unter Hitler – unter dem kunstfeindlichen Diktat eines faschistischen Systems, wenn auch nicht ganz so totalitär…

  • Und wo ich gerade Wutvogel bin: Wertstoffhof München, du mich auch…


    Vor neun Jahren habe ich den ersten mutigen Lesern meines Blogs mal gezeigt, wie das ist, wenn der Single-Vogel in seinem Obergiesinger Häuschen zum Winter den Kaminofen anfeuert. Kuschelig, aber auch nötig, denn gut gedämmt war das Haus ja nie und so manches Mal war der Platz vor dem prasselnden Feuer der einzig wa(h)r(m)e.

    Aber die Zeit, sie geht ins Land – der Wortvogel ist verheiratet, lebt in Speyer, das kleine Häuschen wird mühsam saniert, wochenweise wird Bauschutt zum Wertstoffhof gekarrt. Kehraus.

    Es zeigte sich schon vor Monaten, dass der Ofen nicht mehr gebraucht wird…