First Look: Lanterns
USA 2026. Darsteller: Kyle Chandler, Aaron Pierre, Nathan Fillion, Kelly Macdonald, Garret Dillahunt, Poorna Jagannathan, Laura Linney, Jason Ritter, Ulrich Thomsen, Nicole Ari Parker, Sherman Augustus, J. Alphonse Nicholson, Jasmine Cephas Jones, Paul Ben-Victor, Chris Coy
Story: Seit Jahrzehnten ist Hal Jordan als Green Lantern der Beschützer der Erde. Eine Warnung bringt ihn zurück nach Nebraska – an den Ort, an dem er den legendären Ring bekam. Im Schlepptau hat Hal John Stewart, den er als seinen Ersatz trainieren soll – oder als seinen Nachfolger. Schnell stellt sich heraus, dass die Kleinstadt in der Hand einer mächtigen Rancher-Familie ist, die alle Schaltstellen besetzt. Und womöglich steht eine groß angelegte Alien-Invasion bevor…
Kritik: Wahrlich, LANTERN kämpft einen "uphill battle". Die Kino-Version mit Ryan Reynolds vor 15 Jahren war ein krasser Flop, aktuell wackelt das von James Gunn neu gestartete DCU schon wieder, und Fans zeigten sich wenig begeistert von der Idee, ausgerechnet den galaktischsten Superhelden des DC-Universums in einem Roadmovie durch Nebraska ruckeln zu lassen. Die Trailer sahen eher nach MIDNIGHT RUN aus als nach GUARDIANS OF THE GALAXY:
Ich nehme das persönlich, denn Hal Jordan ist nicht nur einer meiner liebsten Superhelden, sondern wahrlich auch "DC royalty", in verschiedenen Variationen seit 1940 dabei und Gründungsmitglied der Gerechtigkeitesliga. Den reduziert man nicht auf eine schnöde Miniserie, während CLAYFACE (Claywho?) einen eigenen Kinofilm spendiert bekommt:
Hinzu kommt, dass ich mit Kyle Chandler seit der Serie EARLY EDITION 1996 nichts anfangen kann. Der ist mir zu blass, zu weich, zu milchtoastig. Ein Vorstadt-Dad – aber kein Superheld.
Kurzum: hier hatte man augenscheinlich konzeptionell den völlig falschen Ansatz gewählt und ich war nicht der Einzige, der sich eine Umkehrung der Perspektive gewünscht hätte: SUPERGIRL als "hometown"-Drama, LANTERNS als galaktisches Abenteuer.
Aber ich bin auch jemand, der sich trotz aller Skepsis überzeugen lässt und darum habe ich mir die erste Folge von LANTERNS ohne Trotz und Häme angeschaut. Nach 30 Minuten stand mein Urteil, nach 60 Minuten festigte es sich noch mal.
LANTERNS ist ganz heißer shice. Very nice. Sagen die jungen Leute heute so, oder?
Am besten kann man den ersten Eindruck an den Erwartungen abgleichen, die der Trailer geweckt hat.
Ja, es IST eher TRUE DETECTIVE als GUARDIANS OF THE GALAXY. Hal Jordan ist nicht der permanent im Einsatz befindliche und im Kostüm umherfliegende Superheld, sondern ein lakonischer Veteran des Green Lantern Corps, der viel gesehen und viel zu verschweigen hat. Die Serie ist Roadmovie und Buddy Comedy, staubig, weitab von der comicbunten CGI-Großstadtwelt des Arrowverse.
In diesen Belangen haben die Trailer uns die Wahrheit gesagt, auch wenn sie uns nicht geschmeckt hat.
ABER: LANTERNS funktioniert. Jede getroffene Entscheidung, die dem üblichen Bild von Green Lantern-Abenteuern zuwider läuft, war eine richtige. Das hier versucht nicht, einen Blockbuster-Stoff für das heimische Streaming einzudampfen. LANTERNS ist sich bewusst, eine TV-Serie zu sein, was nicht nur Einschränkungen mit sich bringt, sondern auch die Chance, breiter und tiefer zu erzählen. Hier geht es nicht um Actionszenen alle zehn Minuten, sondern um Charaktere und Story.
Genau da punktet die Serie in einem Maße, das wir nach den Trailern nicht erwarten konnten. Schon die erste Episode baut ein spannendes Mystery auf, verschiedene Zeitebenen, diverse konkurrierende Gruppen. In der Kleinstadt in Nebraska brodelt es – und es mag globale Konsequenzen haben. Das ist smart, komplex, überraschend, witzig und erstaunlich bodenständig.
Vor allem aber: LANTERNS lebt wie kaum eine andere Superheldenserie, die ich in den letzten Jahren gesehen habe, vom Casting. Aaron Pierre ist ein exzellenter und stoischer John Stewart, der gelernt hat, sich perfekt auf seine Rolle vorzubereiten und Hal Jordan skeptisch aus dem Hintergrund beobachtet.
Kyle Chandler ist als Hal Jordan… eine Offenbarung. Eine Green Lantern, die mal mit viel Enthusiasmus angetreten ist, aber zu viel gesehen und zu viel erlitten hat, um den Heroismus aufrecht zu erhalten. Ein Mann, dessen sympathische Wurstigkeit viel Schmerz und Melancholie zu überdecken sucht. Immer noch eine herausragende Lantern – aber eine auf der Zielgerade…
Am meisten hat mich beeindruckt, wie "fully formed" diese Figuren von der ersten Minute an sind. Sie müssen nicht erklärt werden, wir müssen uns nicht an sie gewöhnen. Sie spielen ihre Rollen, als wäre es bereits die dritte Staffel, souverän und vertraut. Das erinnert an die besten Serien von Taylor Sheridan (KING OF TULSA, YELLOWSTONE, LANDMAN).
Diese erste Episode macht alle Bedenken nach den Trailern vergessen. Sie verspricht viel. Und ich kann nur hoffen, dass sie in der Lage ist, es einzulösen…
Fazit: Eine allen Erwartungen widersprechende, sehr bodenständige und lakonische Superheldenserie, die sich eher an YELLOWSTONE und TRUE DETECTIVE orientiert als am knallbunten Arrowverse, und augenblicklich massiv von einem großartigen Cast profitiert.


Ich finde die Charakterdynamik des Trailers immer noch problematisch für eine Green Lantern Serie.
John Stewart disqualifiziert sich mit dem "Der Ring ist mein"-Spuch ja eigentlich sofort als GL.
Kann aber natürlich trotzdem ne spannende Show sein.
"John Stewart disqualifiziert sich" – nope.
Darum lese ich hier 🙂
wieviel Vorwissen braucht man denn um nicht den Faden zu verlieren ( oder überhaupt zu finden)
der letzte Satz ist auch spannend da True Detective ein ewiges TV Highlight für mich ist, ich mit Yellowstone aber überhaupt nichts anfangen kann.
Danke. Generell sollte man grob die Mythologie der Lanterns kennen. Kann man easy auf Wikipedia nachlesen.
Gehe ich mit. Die erste Folge erreicht mit Bravour das, was jede erste Folge erreichen muss – sie sorgt dafür, dass ich dringend wissen will, wie es weiter geht.
Fand Green Lantern schon immer ein wenig albern, aber das liest sich doch gut – da wird reingeschaut.
Ist der Reiz der Figur nicht, daß der Ring das wahr machen kann, was die Fantasie des Green Lantern hergibt und man als Leser/Zuschauer durch clevere Lösungen, die der Green Lantern für Probleme findet, überrascht wird? Klar, daß das auch manchmal albern sein kann, aber das paßt ja zur Figur.
In Folge eins sahen wir einen Lantern, der kaum seine Kräfte benützt und dann mehr oder minder auf langweilige Art. Ich fand die Folge jetzt auch nicht schlecht, aber es wird viel daran hängen, was das Mysterium nun ist und wie der neue (und alte) Lantern ihre Kräfte einsetzen.
Ich habe aber leider die Befürchtung, daß der neue Lantern den Ring erst am Ende der Staffel zurückbekommen wird…
Ich sehe das genauso wie du. Der Witz, die Kreativität, exakt das ist es, warum GL immer einer meiner absoluten Lieblinge war. Deswegen habe ich ein wenig Angst nach diesem Artikel. Zumal ich auch mit True Detective nix anfangen kann – aus den gleichen Gründen, warum andere das mögen.
Superhelden interessieren mich selten. Aber: Spätestestens seit Friday Night Lights hat Kyle Chandler einen riesigen Stein bei mir im Brett. Sagt man das so? Deswegen werd ich reingucken, danke für die Bestätigung!