Filmische Spurensuche in Kinoklamotten


Ich hatte gestern Abend eine Idee für einen ultra-kurzen Artikel. Zwei Screenshots, vielleicht sieben, acht Zeilen Text. Heute morgen wollte ich die Screenshots raussuchen, da wurden es immer mehr. Jetzt fange ich an, den Text zu schreiben, da schwant mir, dass ich nicht unter 5000 Zeichen aus der Sache rauskomme.

Seufz…

Thema ist der Film HILFE, DIE VERWANDTEN KOMMEN der Münchner Produktionsfirma Divina. Wenn ihr mal schauen möchtet:

Ein unfassbarer Cast: Uschi Glas, Horst Janson, Theo Lingen, Monika John, Ilja Richter, Beppo Brem, Erni Singerl, Eddi Arent, und als Lausbub Tommi Ohrner (sechs Jahre alt!). Es fehlen für diese Sorte Film eigentlich nur noch Peter Alexander, Rudi Carrell und Roy Black.

Im Grunde ist HILFE, DIE VERWANDTEN KOMMEN so eine Art Proto-LISA-Film mit den gleichen Mechanismen, aber keinem angedeuteten Schweinkram. Doof, aber wenigstens harmlos. Die Überschneidungen in Sachen Cast, Crew, sowie massive Schleichwerbung für Waschmittel und Möbelhäuser sind kein Zufall.

Das hier ist Opas Kino, verkauft als "junge" Komödie.

DIESES München wird man in SOLCHEN Filmen nie sehen:

Wofür sich solche Filme allerdings prima eignen, ist "location spotting". Ich bin schließlich seit 35 Jahren hier zuhause und auch wenn die Stadt sich verändert hat, kann ich die meisten Ecken ganz gut identifizieren. So gebe ich mich gerne auf eine Stadtrundfahrt in Form einer Zeitreise – oder umgekehrt.

Manchmal ist es geradezu albern einfach:

Das ist das Münchner Nationaltheater, allerdings noch ohne seine Steinfiguren.

HILFE, DIE VERWANDTEN KOMMEN hatte allerdings noch härtere Nüsse zu knacken. Es ging alles damit los, dass Horst Janson und Ilja Richter Schabernack in einem Supermarkt treiben, immer mit einer Pyramide aus DER WEISSE RIESE-Packungen "unauffällig" im Hintergrund. Der "establishing shot" machte es mir nicht leicht, die genaue Location zu bestimmen:

Katra Supermarkt gibt es heute nicht mehr. Aber was es gibt, ist eine kurze Aufnahme aus dem Film, als Horst Janson auf die Straße tritt:

Man mag es kaum glauben, aber das sehr untypische Fachwerkhaus rechts an dieser modernen Schnellstraße konnte ich sofort einordnen – ich war erst am Wochenende mit der LvA wieder mal dran vorbeigefahren. Wir befinden uns meiner Recherche nach auf der Landsberger Straße mit dem Blick stadtauswärts Richtung Pasing. Das Haus mit dem Supermarkt sieht heute so aus:

Einmal dabei, konnte ich mich natürlich nicht zurückhalten – diese Straße mit der dekorativen Werbung für ein Umzugsunternehmen war leicht zu erkennen:

Die Frage war nur: WO auf der Seybothstraße befinden wir uns hier? Antwort:

Das ist die Ecke, um die der LKW fährt. Die Mauer ist gefallen, das Straßenschild hängt mittlerweile an einer Laterne.

Ebenfalls keine große Herausforderung ist diese prägnante Kreuzung:

Das markante Haus links ist natürlich der Gastro-Tempel Asam-Schlössl, der die Jahre ganz gut überstanden hat:

Nur der schöne Baum musste augenscheinlich gefällt werden…

Weil sich Horst Janson und Uschi Glas ineinander verlieben, wird natürlich zeitnah und standesgemäß geheiratet. Von der Kirche sehen wir nur Portal und Dach:

Da Sakralbauten nicht meine Stärke sind, bat ich gleich drei KI-Plattformen um Hilfe bei der Bestimmung: grok, gemini, und chatGPT. Interessanterweise wussten alle drei sofort und mit hoher Wahrscheinlichkeit, welche Kirche zu sehen ist. Und alle drei lagen damit komplett falsch.

So leicht wollte ich mich nicht geschlagen geben. Ich lud das Bild des Pfarrhauses (?) neben der Kirche hoch in der Hoffnung, es leichter identifizieren zu können:

Tatsächlich konnte chatGPT hier erfolgreich Vollzug melden:

Ja – dieses Gebäude lässt sich eindeutig identifizieren. Es ist das katholische Pfarrhaus von St. Maria Thalkirchen, Fraunbergplatz 5, München-Thalkirchen.

Es wurde aber noch besser. Die KI hatte sich meine vorherige Anfrage gemerkt und korrigierte sich unaufgefordert und selbstständig:

Interessant ist übrigens der Zusammenhang mit deinem ersten Foto: Das Pfarrhaus liegt unmittelbar bei der St. Maria Thalkirchen. Dein erstes Bild könnte also tatsächlich die Kirche zeigen, zu deren Pfarrei dieses Gebäude gehört.

Zack – das nächste Mysterium enträtselt!

Zum Abschluss noch eine Fingerübung:

Auch dieses Gebäude steht unter Denkmalschutz und beherbergt heute ein griechisches Restaurant mit dem einfallslosen Namen "Poseidon". Kurios allenfalls: Ich habe gerade mal einen Steinwurf davon entfernt zur Untermiete gewohnt, als ich 1990 nach München gezogen bin. Ach ja, die liebe Frau Gerdom

Und siehe, es sind erwartungsgemäß knapp 5000 Zeichen geworden…



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12. August, 2026 00:08

Einfallsloser Name? Bei meinem letzten Kneipenquiz wurde tatsächlich die 10 häufigsten Namen für griechische Restaurants in Deutschland gesucht. Tatsächlich wurde die Liste von Orten und nicht – wie von uns fälschlicherweise vermutet – Gottheiten dominiert. Wenn ich mich recht entsinne, schaffte es nur Dionysos drauf. In dem Sinne kann Poseidon also durchaus schon für kreativ gehalten werden. Immerhin nix unter der Top 10. 😀