Kino Kritik: THE END OF OAK STREET


USA 2026. Regie: David Robert Mitchell. Darsteller: Anne Hathaway, Ewan McGregor, P.J. Byrne, Pilot Bunch, Maisy Stella, Christian Convery, Chris Coy, Douglas R. Weiss, Hugo Silver, Scott Andersen u.a.

Offizielle Synopsis: Die Familie Platt lebt in einem idyllischen Vorort, der auch im Jahr 1982 noch den Geist der 60er atmet. Aber unter der Oberfläche brodelt es: Denise hat ihre Ehekrise in einem Roman aufgearbeitet und denkt an Scheidung, Greg verheimlicht seine Arbeitslosigkeit und seine Trinkerei, die Kinder Brian und Audrey fühlen sich in der Schule sozial ausgegrenzt. Als die Familie zu zerbrechen droht, passiert etwas gänzlich Unerwartetes: ein Riss in Raum und Zeit versetzt einen kreisförmigen Ausschnitt des Viertels in die Jurazeit. Die Platts sind plötzlich von gigantischen Tropen-Urwäldern umgeben und müssen zusehen, wie Dinosaurier aller Art die schmucke Siedlung überrennen…

Kritik: David Robert Mitchell ist nach dem beeindruckenden IT FOLLOWS und dem brillanten UNDER THE SILVER LAKE immer noch ein "dark horse". Schwer zu sagen, wo für ihn die Reise hin geht. Zuerst einmal: Hollywood!

Ich gestehe, dass ich nicht erwartet hatte, dass er ein Dinosaurier-Abenteuer im Stil von Spielberg drehen würde – oder dass er es überhaupt könnte.

THE END OF OAK STREET ist zuerst einmal etwas, das ich mittlerweile ablehne und erst kürzlich bei ICE CREAM MAN moniert habe: ein Retro-Film, der nur deshalb in der Vergangenheit (1982, um genau zu sein) spielt, um verzweifelt das alternde Nerd-Publikum zu ködern, das mit VHS und NES aufgewachsen ist. Es ist auch kein Zufall, dass er das Jahr wählt, in dem Spielbergs E.T. veröffentlicht wurde.

Ich gehe noch einen Schritt weiter: Hätte Spielberg 1993 keine Vorlage von Michael Crichton zu Verfügung gehabt, hätte JURASSIC PARK vermutlich so ausgesehen wie THE END OF OAK STREET. Das verblassende Idyll der amerikanischen Vorstadt, der bröckelnde Traum der "nuclear family", der alles erschütternde Event, der den Kampf um den Status Quo plötzlich wieder lohnenswert macht – vintage Spielberg.

Dass das insgesamt ein bisschen wenig Fleisch für einen Blockbuster ist? Geschenkt. David Robert Mitchell scheint es zu wissen und arbeitet konsequent mit statt gegen die Defizite. In weniger als 100 Minuten lässt er alles aus, was solche Filme üblicherweise aufbläht: keine Wissenschaftler, keine Politiker, kein Militär. Wir bleiben beim kleinen Ausschnitt der Oak Street. Mehr noch: auch nach der Versetzung in die Jurazeit mühen sich die Platts nicht einmal, mit den Nachbarn zu reden. Der Fokus bleibt konsequent bei der Familie, andere Menschen existieren nur als Hintergrund.

Natürlich ist das unter der Haube albern und eigentlich ist THE END OF OAK STREET mehr eine aufgeblasene TWILIGHT ZONE-Episode als ein auf den Kern reduzierter Blockbuster. Aber angesichts der sympathisch straffen Regie und der sympathischen Figuren winke ich es gerne durch.

Wie man fickende (you heard me) Dinosaurier im Vorgarten erklärt? Gar nicht. Auch hier verlässt sich Mitchell darauf, dass ausreichend Entertainment die Fragen nach Logik und Kontext gar nicht erst aufkommen lassen. Und er hat Recht damit. Zumal THE END OF OAK STREET ausreichend Twists und Überraschungen mitbringt, um jeden Einspruch auf die Zeit nach dem Nachspann zu verschieben.

Aus den JURASSIC PARK-Filmen bin ich seit 20 Jahren raus. Die sind mir zu überladen mit einer faschistoiden Mythologie, mit Militär, Hubschraubern, Spektakel um dem Spektakels willen. THE END OF OAK STREET bringt das, was Spielberg 1993 begonnen hat, wieder zu seinen Wurzeln zurück.

Dino-Action deluxe.

Fazit: Eine erfreulich knappe, rasante, klassisch inszenierte, manchmal so alberne wie schockierende JURASSIC SUBURBIA-Abenteuergeschichte, die sich voll auf den Unterhaltungswert konzentriert und sich nicht an komplexem "world building" oder Kontext verschluckt.

P.S.: Es gibt Leute, die sich über diesen Marketing-Gimmick furchtbar aufregen:

Der Clip wurde unter Titeln wie "This week in AI ruins America" und "This might be the worst movie marketing campaign of all-time" geteilt. Es sei gesagt: macht euch locker. Keiner mag Spaßbremsen.



4 Kommentare

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andreas
13. August, 2026 13:08

Hier muss ich sagen, der Trailer hatte mich – bis zu dem Punkt, als ein Saurier enthüllt würde. Saurier sind soooo ausgelutscht und überstrapaziert worden in den letzten Jahren. Wenn die Erde sich auftut oder man gleich teleportiert wird, dann wären doch Fantasy Monster interessant. Aber: nach deiner Kritik klingt es doch sehr unterhaltsame

15. August, 2026 18:04
Reply to  andreas

Da bin ich komplett anderer Meinung! Dinosaurier auf der Leinwand kann es gar nicht genug geben! Hingegen irgendwelche Fantasy-Viecher gibts am laufenden Band.

Ich gehe eigentlich in jeden Dino-Film, weil ich Dinos mag. Ich ringe auch sehr mit mir, noch in den aktuellen Paw Patrol zu gehen. aich habe auch jeden Jurassic Park/World gesehen, wohlwissend, dass die Filme an sich totaler Müll sind. Aber… Dinos!!!

An dieser Stelle dank an den Hausherrn, denm tatsächlich wäre der glatt an mir vorbei gegangen. Von einigen wissenschaftlich nicht haltbaren Darstellungen abgesehen (Sauropoden – "Langhälse" – sind nach aktuellem Stand der Wissenschaft mWn nicht gefiedert… Auch wenn ich generell über die Darstellung der Federn hocherfreut war) muss ich sagen, dass ich angenehm unterhalten war. Ich würde sogar so weit gehen, zu sagen: Bester Dinofilm seit Jurassic Park (also dem ersten natürlich).

15. August, 2026 23:13
Reply to  Torsten Dewi

Na dann hab ich ne Todo-Liste. Wir sprechen uns wieder!