Thema: Food
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Wahrlich, Amerika ist in Sachen Kulinarik vielleicht als Vorreiter, aber nicht als Vorbild bekannt. Hier werden Cremetörtchen frittiert, Burger in Hühnerschnitzel gepackt, und Bällchen aus Cola-Sirup in Sahne getunkt. Ich selbst habe damit kein Problem und bei früheren Reisen sogar die explizite Entscheidung getroffen, den USA als "fast food nation" zu huldigen. Von Taco Bell zum Wienerschnitzel, von Johnny Rockets zu Sonic, von Jamba Juice zu Krispy Kreme. Die erwartbaren und sichtbaren Folgen konnte ich immer hinterher gut abhungern.
Nun hat aber die LvA ein anderes Verständnis dessen, was "gutes Essen" ausmacht und mich gebeten, die Speisen wenigstens primär am Tisch und nicht am Drive-Thru entgegen zu nehmen…
Mit der Streetfood-Kultur bin ich bisher primär in London und Kalifornien konfrontiert worden. Schwer angesagt: hochwertiges Fastfood, gerne exotischer Herkunft, für happige Preise. Hier ist nicht alles Gold, was glänzt, aber es macht einfach Spaß, sich durch gänzlich andere Esskulturen zu futtern, bis der Wanst das Hemd sprengt.
Als ich zufällig letzte Woche an einem Plakat vorbei kam, dass auch in Baden-Baden ein solches Festival anstand, war ich etwas skeptisch, zumal das Campus-Gelände nicht gerade als Eventlocation bekannt ist. Hippes Streetfood im Badischen? Viel Pommes, Bratwurst und Waffeln, dachte ich mir…
Eine meiner unangenehmeren Erkenntnisse in Sachen Ernährung ist diese: ich habe ein Problem mit der Portionskontrolle. Eben war die Packung Eis noch voll, plötzlich ist sie leer. Ich will die halbe Dose Chips essen, aber zum Ende des Bond-Films bleiben nur noch Krümel übrig. "Aufhören, wenn man genug hat" ist kein Prinzip, nach dem ich funktioniere. Ich habe nie genug. Genug ist, wenn ich träge "börps" sage.
Koche ich selbst, koche ich instinktiv zu viel. Was ich für eine Portion halte, reicht locker für zwei…
Heute probiere ich "Matcha Kekse" von Attila Hildmann – die sind nicht nur vegan, bio, laut Packungsaufschrift "ohne Tiere drin", sondern auch aus voll hochwertigen Zutaten und von Behinderten gebacken. Das soll kein Zynismus sein, das steht auf der Webseite!
Es mag mit meiner Diät zusammen hängen, aber ich habe in den letzten Wochen eine ungesunde Affinität zu Videos entwickelt, in denen fragwürdige Dosen geöffnet und ihr undefinierbarer Inhalt gekostet wird. Es gibt auf YouTube eine ganze Reihe von Kanälen, die sich nicht dem filmischen, sondern dem kulinarischen Trash verschrieben haben. Bei <a href=" z.B. findet sich die Reihe "What are we eating??", die nicht ohne Grund so heißt – sensible Naturen mögen hier NICHT klicken: Ein "Subgrenre" dieser ungewöhnlichen Art des Unboxings sind MRE’s, also militärische Tagesrationen aus verschiedenen Ländern und Jahrzehnten…
London Heathrow ist dank diverser Modernisierungen mittlerweile ein sehr fortschrittlicher Flughafen, dessen Shoppingmeile es mit den Einkaufszentren der edelsten Innenstädte aufnehmen kann. Kein Wunder, dass hier auch bei der Verpflegung keine halben Sachen gemacht werden. So gibt es einen Automaten für "Ben & Jerry’s"-Eis:
Dieser wirft für drei Pfund zwar nur einen lächerlich kleinen Becher aus, aber der Vorgang beeindruckt: Man kann durch die Glasscheibe einen Saugrüssel sehen, der auf den Deckel des Bechers aufsetzt, schmatzend ein Vakuum erzeugt und das Eis damit aus der Kühlbox zieht…
Es wird einigen aufgefallen sein, dass ich hier kaum noch Entdeckungen aus den Supermarkt-Kühlregalen poste, was schlicht daran liegt, dass ich mich mittlerweile besser ernähre. Gerade das Fertigfutter strotzt vor Kalorien, die ich nicht brauchen kann.
Gestern war aber Cheat Day und ich mit meiner LvA im monströsen V-Markt einkaufen. Was muss ich sehen? Neue, bizarre Food-Kreationen, noch dazu verbunden mit Rabattaktionen – billiger ist bekanntermaßen immer besser. Da musste ich zuschlagen, auch wenn ich nun bis zum NÄCHSTEN Cheat Day warten muss, bevor ich die Verpackungen aufpfriemeln darf…
Es ist wichtig, ab einem gewissen Alter seine Weisheit an die nächste Generation durch zu reichen. Zu lehren, was man gelernt hat. Dem Jedi seinen Padawan zu suchen. Wer, wenn nicht ich, ist prädestiniert, das Jungvolk in die Geheimnisse des Fastfood einzuweisen? Ihm den Unterschied zwischen McMenü und McDeal zu erklären, zwischen Coke und Pepsi?
So trug es sich zu, dass ich der Patentochter der LvA und ihrer besten Freundin vor ein paar Wochen erklärte, wie man in Frozen Yoghurt-Läden, in denen man sich die Toppings selber aufschaufeln kann, das Maximum aus dem Festpreis holt…
Wenn man zwanzig Jahre in einer Stadt lebt, hat man seine Favoriten. Theater, Kinos, Parks und Friseure – ich bin eine treue Seele und if it ain’t broke, don’t fix it.
Was die Besuche in Speiselokalen angeht, oszilliere ich zwischen zwei Extremen: Einerseits probiere ich gerne mal was Neues aus – andererseits weiß ich, wo ich meine Lieblingsspeisen genau so bekomme, wie ich sie haben will. Ich bin also entweder Stammesser oder Neukunde.
Heute stelle ich euch mal vor, wo man mich an so manchen Tagen finden kann – in Begleitung der LvA oder mit Freunden, manchmal aber auch allein mit der neusten Ausgabe des "Video Watchdog"…
Letztlich war die Stadionpizza eine Enttäuschung – weder Belag noch Geschmack wurden der Verpackung gerecht:
Und es ist der alte Tiefkühlpizzen-Fluch: Viel zu wenig Käse. Ich bleibe also der Pommkörr treu.
Gestern war ich mit der LvA im niegelnagelneuen Einkaufszentrum im Euro-Industriepark. Das Gebäude war früher ein Wertkauf, dann ein Walmart, kurz ein Real, und stand schließlich so lange leer, dass ich schon dachte, es wird abgerissen. Aber mitnichten: Ausgerechnet V-Markt hat sich eingenistet, der in der Balanstraße den hässlichsten Bunker betreibt, den ich kenne – bekannt aus dem Kinofilm "Langer Samstag" mit Campino von den Toten Hosen:
Nun steht da ein wahres Mega-Shoppingparadies: groß, hell, freundlich und mit wirklich ALLEM: Baumarkt, Pflanzen, Klamotten, Elektro, Lebensmittel, etc…