Thema: Scan-Archiv


  • Digitale Ordner, digitale Ordnung


    In einer perfekten Welt würde man Post entweder gar nicht mehr in Papierform zustellen oder über ein passwortgestütztes Online-Schließfach alternativ als PDF anbieten. Bis dahin muss ich alles selber machen…

    Ich hatte es neulich schon mal erwähnt: Einer meiner Zeitvertreibe während des Sabbaticals war es, meinen Aktenstand konsequent auszumisten und dann in die digitale Sphäre zu übertragen. Ergebnis nach einer konsequenten Woche: 5 Aktenordner, die so ziemlich mein gesamtes Leben sortiert enthalten (Zeugnisse, Zivildienst, Arbeitgeber, Versicherungen, Immobilien, Steuern, etc.). Und ein digitaler Ordner in der Cloud mit etwas über 2 Gigabyte, der alle relevanten Unterlagen ebenfalls sortiert als PDF-Scans vorhält…

  • Reichs-Telekom: Der deutsche Amtsschimmel – intakt


    Es gehört zu den unangenehmeren Aufgaben, Nachlässe aufzuarbeiten, das Leben Verstorbener abzuwickeln. Es ist, als schließe man letztmalig eine Tür, als lasse man jemanden zurück. Wir hier, du da. Und tschüss.

    Manchmal findet sich aber auch ein Grund zum Schmunzeln. Letzte Woche sind wir auf einen schwer behördlichen Vorgang aus dem Jahr 1961 gestoßen, der sehr schön illustriert, wie viel sich geändert hat vom Volksempfänger zum WLAN-Router – und wie wenig.

    Es geht um die Anmeldung eines Fernsehers.

    Beide Bescheinigungen sind übrigens in "mint condition", wie der Sammler sagt…

  • Ein Handschlag über das Jahrhundert hinweg


    Es ist eine Binsenweisheit, dass die Geschichte von Siegern geschrieben wird. Eine weitere, dass historische Ereignisse greifbarer und realer sind, wenn man einen persönlichen Bezug zu ihnen hat. Das hat sich heute bewiesen – auf eine mich bewegende Weise, die ich teilen möchte.

    Mein Großvater hieß Nikolaus Plotes. Er war im Zweiten Weltkrieg als Belgier von den Deutschen nach Düsseldorf zwangsverschoben worden, um dort zu arbeiten – als Uhrmacher konnte man seine feinmechanischen Fähigkeiten gut brauchen. Nach der Kapitulation des Dritten Reiches kehrte er für ein paar Jahre in das heimatliche St…

  • Ordnung vs. Chaos: Zahlenmagie


    Heute habe ich mal wieder meine Akten durchforstet. Es ist faszinierend – wenn man entschlossen ist, jede weitere Entschlackung positiv zu sehen, wird es eine vergnügliche Herausforderung. So habe ich bei allen meinen Autorenverträgen (mittlerweile zwei dicke Ordner) das Kleingedruckte und die Anhänge entfernt. Schon ist es nur noch ein Ordner.

    Aber die Fähigkeit, das Volumen zu reduzieren, hat Grenzen. Besonders schlimm wird das bei den nächsten großen Aufgaben: Zeitschriften, Bücher und DVDs. Da sind nämlich keine "unnötig" oder "abgelaufen" oder "redundant". Ich kann 20 Jahrgänge "Titanic" ebenso wenig einscannen wie den Prachtschuber "The complete Calvin & Hobbes"…

  • Die nackten Fakten über Akten


    Auch wenn familiäre Verpflichtungen mich bisher abgehalten haben, den Wortvogel-Flohmarkt zu eröffnen, so bin ich doch nicht faul gewesen, was die Entschlackung meines Teils des Haushalts angeht. Das hatte auch ganz praktikable Gründe: Wegen einer kompletten Umfinanzierung meines Immobilien-Parks musste ich eine geradezu irrwitzige Menge an Plänen, Formularen, Fotos, Nachweisen, Auszügen und Berechnungen beibringen, was den Wunsch verstärkte, so etwas künftig mit weniger Stress griffbereit zu haben. Analog wie digital.

    Das Fundament hatte ich über Jahre, in denen ich meine Akten wieder und wieder sortiert habe, bereits gelegt – alles, was mein Leben und meine Interdependenzen mit Behörden, Banken und Versicherungen protokolliert, findet sich in fünf robusten Ordnern:

    Dazu gibt es noch zwei Ordner mit Unterlagen auf dem Dachboden, die ich zwar nicht mehr brauche, aber auch nicht wegwerfen möchte – alte Verträge, Arbeitsnachweise, Briefwechsel mit der Polizei und Kaufbelege von Artwork…

  • Bezahlter Diebstahl – Ross und Reiter (NACHTRAG)


    Natürlich wird Content im Internet durchgereicht. Das Web ist eine Sharing-Kultur, darum ist der Share-Button neben dem Like-Button auch die wichtigste Funktion von Facebook. Könnte ja sein, dass der Freundeskreis das lustige Katzenvideo oder den zutiefst wahren Spruch über das Leben noch nicht kennt. Persönlich reizt mich das weniger, weil ich den Wortvogel gestartet habe, um genuinen Content zu produzieren.

    Es gibt aber Auswüchse der Sharing-Kultur, die mich nerven. Wenn Ideen- und Themenklau zum Geschäftsprinzip erhoben werden. Kein Konzept – nur noch billig zusammen geschustertes "Best of" des Internets, versehen mit diesen unsäglichen "Was dann geschah, konnte niemand ahnen!"-Headlines oder den nicht minder ekligen "Bei Nr.5 musste ich weinen"-Anreißern…

  • Crowdfunding "Video Watchdog" und die Gefahren der digitalen Nostalgie


    Ich liebe das Magazin "Video Watchdog", seit ich es auf meinen Reisen in die USA in den 90er Jahren entdeckt habe. Kaum ein Fanzine wird mit so professioneller Akribie gemacht, mit so viel Liebe zum Detail. Tim Lucas und Konsorten sind keine Fanschreiber, sondern Cinephile, deren Interesse weit über Horror und SF hinaus geht. Sie lieben Kino – und von ihnen kann man lernen, Kino zu lieben.

    Als Tim Lucas sein sechs Kilo schweres opus magnum "Mario Bava: All the colors of the dark" nach über 30 Jahren Feinarbeit endlich heraus brachte, gehörte ich zu den ersten Käufern…