Thema: Liebes Land
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Ich weiß mittlerweile, wie es aussieht, wenn meine Romane auf taiwanisch, koreanisch und kyrillisch erscheinen. Ich kenne meine Filmtitel in japanisch, ungarisch, thailändisch, englisch, whatever.
Tulpenländisch bzw. käsig ist allerdings neu:
Wen’s schert: Der auf dem Cover angekündigte Artikel über Schafzucht ist von mir.
Ich pack das jetzt beides in ein Posting – ist ja kein Wettrennen, um die 1500er-Marke zu durchbrechen (aktueller Stand: 1406 Beiträge, btw).
Bekanntermaßen schreibe ich für die "LandIdee", und bekanntermaßen ist das Heft sehr erfolgreich. Seit dieser Woche gibt es ein paar genauere Zahlen, die sich anzuschauen lohnt.
Eins vorab: Die "Landlust" bleibt mit über 700.000 verkauften Exemplaren unerreicht und unerreichbar. Die könnten bald den "Spiegel" knacken. Respekt.
Wer immer gegen die "Landlust" antritt, tritt im Kampf um Platz 2 an.
Aber wer ist die Nummer 2…
Vorgestern, 6. September 2010. Ich miete einen 3er BMW, um mit unserem Fotografen Nick für die "LandIdee" in den Odenwald zu fahren. Dort gibt es einen Traditions-Handwerker, über den sich eine Reportage lohnt. 417 Kilometer Fahrt laut Navi, deshalb der etwas größere Wagen. Die Dame bei Sixt fragt: "Wollen Sie eine Vollkasko-Versicherung?". Ich verneine: "Seit 20 Jahren unfallfrei, wird nicht nötig sein".
Drei Dinge sollte man an dieser Stelle wissen:
"20 Jahre unfallfrei" ist NIE ein Argument, und ich würde das auch selber niemandem durchgehen lassen Der Verlag bezahlt die Vollkasko, nicht ich Mit meiner ADAC Gold Card (lag zu Hause) hätte ich genug gespart, um die Vollkasko quasi umsonst zu bekommen Die Fahrt geht gut, nur minimale Staus…
Das größte Lob, das man uns für die "LandIdee" oft macht ist, dass man dem Heft die Mühe nicht ansieht, die darin steckt. Im Idealfall ist die Zeitschrift entschleunigend, entspannend, leicht und unbeschwert. Hinter den Kulissen ist sie aber gehörige Plackerei. Und heute erzähle ich euch mal, wieso das so ist.
Am Beginn jeder Ausgabe stehen Themenkonferenzen: Was soll überhaupt ins Heft? Das ist keine Frage zufälliger Eingebungen, sondern orientiert sich an den Rubriken ("Landblick", "In den Topf geguckt") und vor allem an der Jahreszeit…
Zu den für diesen Beitrag irrelevanten Fakten gehört, dass ich bis zu meinem 13. Lebensjahr in der gesamten Familie den unerklärlichen Spitznamen "Tüte" hatte. Meine Tante nennt mich heute noch so, und auch meine Mutter ruft mich in Fällen unangemessener Sentimentalität gerne "Tütemann".
Darum geht’s aber hier nicht. Ich habe nur dieser Tage einen Artikel für die LandIdee über Kultur und Brauchtum der Schultüte geschrieben. Das ist faszinierender, als man meinen sollte – es gab deutliche regionale Unterschiede, was Design und Inhalt angeht, die DDR entwickelte ganz eigene sechseckige Tüten, und politische Themen waren mitnichten tabu…
Es gibt Tage, da bin ich glücklich und dankbar, für ein Heft wie die LandIdee schreiben zu dürfen – gestern war mal wieder so ein Tag:
Was ihr da auf meinem Arm seht, ist ein schwarzes Lämmchen, das auf einem artgerechten Hof lebt, zwischen Schafen, Ziegen, zwei Hunden, ungefähr sechs Katzen, und einem Pferd.
Weil dem Redakteur nix zu schwör ist, habe ich mich bei "Stöckelchen" auch gleich mal an die Zitze gemacht:
Und was soll ich sagen? Es geht!
Bei Ziegen ist man übrigens der umjubelte König, sobald man ein bisschen altes Brot aus der Tasche holt:
Für den Artikel unwichtig, aber ein persönliches Anliegen von mir war der Schnappschuss am idyllischen Teich, der zum Hof gehört…
Ich habe mal wieder eine Kurzgeschichte für die LandIdee geschrieben, diesmal unter dem Pseudonym "Paul Terrid" – eine Anspielung auf den verstorbenen Autor Peter Terrid, mit dem ich bei den Braunschweiger SF-Tagen einst nette Gespräche führte. Thematische Vorgabe diesmal: Weiblicher Protagonist und Walpurgisnacht. Als "Pointe" habe ich die Idee für eine andere Kurzgeschichte verwurstet.
Endstation Scheiterhaufen
Walpurgisnacht, Maifeuer, und eine Leiche, die den Bewohnern von Bollenrode Angst macht. Doch Sophia Franzen glaubt nicht an Hexerei – nur an Mord…
Wenn ich mir die Meldungen der letzten Wochen so ansehe, dann muss ich mir selbst eingestehen, 20 Jahre lang naiv gewesen zu sein: Schmierenkampagnen scheinen ebenso an der Tagesordnung zu sein wie Bespitzelungen, und eine Branche verlangt nach Bestandsschutz, die nicht mal mehr die eigenen Mindeststandards erfüllt, mit denen sie sich angeblich von Bloggern und Online-Medien abhebt.
Mir sind diese Woche gleich zwei Dinge widerfahren, die aktuelle Probleme der gedruckten Presse dokumentieren, ohne gleich hochtrabende Begriffe wie "Qualitätsjournalismus" oder "redaktionelle Autonomie" zu strapazieren.
Fall 1 : Ich schreibe für die "LandIdee"…
Unter dem Pseudonym "Lars Henrikson" habe ich in der aktuellen Ausgabe der LandIdee einen zweiseitigen Kurzkrimi geschrieben. Folgende Vorgaben wurden gemacht: Es sollte ein "procedural" sein (die ersten beiden Ausgaben hatten schon Geschichten, in denen gepeinigte Frauen damit davon kommen, ihre Männer zu ermorden), um den Jahreswechsel spielen, und bei den Charakteren und den Locations halbwegs die Zielgruppe der LandIdee ansprechen. Keine Ironie, keine übermäßige Gewalt. Unterhaltsam, aber hausbacken also.
Es gibt wohl kaum einen besseren Tag als diesen, um den Krimi hier meinen Lesern zu präsentieren…
Ich schaue mir gerade die IVW-Zahlen bei DWDL an, weil es mich doch interessiert, welche Blätter verlieren, welche gewinnen, und für welche man sich schämen sollte. Generell geht es der Redaktion Blattgold, für die ich viel schreibe, ziemlich gut. Wenn demnächst die Zahlen der "LandIdee" da sind, wird das auch kein Grund für Trübsal.
Beizeiten werde ich sicher mal einen Beitrag darüber machen, warum die meisten Frauenzeitschriften ein so schreckliches Bild der modernen Frau zeichnen und prägen, während die meisten Männerzeitschriften sich allenfalls den Vorwurf machen lassen müssen, arg präpotent und pubertär zu sein…