Thema: Nachrufe
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Ich war ein Anfänger, ein Fanboy, ein Greenhorn, als ich im Herbst 1990 beim GONG in München anfing. Ich war nicht in der TV-Branche aufgewachsen, wie so viele andere Redakteure, sondern hatte sie nur von kleinauf begeistert mitverfolgt (peinlicherweise über das Konkurrenzprodukt HÖRZU).
Meine Aufgabe beim GONG war es zu Anfang, die Programmspalten von SAT.1 in den Computer zu tippen, und diese mit Zusatzinformationen zu versehen – Bilder, Kritiken, Wiederholungsdaten. Eine Besonderheit des GONG war es zudem, bei Schauspielern die jeweiligen Todesjahre ("Curd Jürgens (+1982)") anzugeben, und etwaige Serienverweise ("David Janssen (bek…
Es sind manchmal die Nebensätze, die beiläufig ins Gespräch gestreuten Informationen, die einen aus der Spur bringen. Ich habe heute morgen mit meiner Mutter telefoniert. Sie erzählte eine halbe Stunde lang von ihrem Urlaub in der Türkei. Von den Ausflügen, dem zu teuren Bier, dem schönen Wetter.
Und dann, fast ansatzlos: "Ach ja, nur zu deiner Information: Maria ist tot."
Maria, das ist Maria Plotes, geborene Krümling. Die zweite Ehefrau meines vor einigen Jahren verstorbenen Großvaters. Meine Stiefoma. Irgendwie verwandt mit Gudrun Landgrebe (Großtante, wenn ich mich recht erinnere)…
Nil nisi bene, und so weiter – ich weiß. Aber wenn das Universum sich entscheidet, auch mal einen abzuberufen, für den das Wort "Gott" von "bigott" kommt, dann werde ich keine Krokodilstränen vergießen.
Der US-Prediger und christliche Aktivist Jerry Falwell ist platt – im Nichts, wenn ICH Recht habe; in der Hölle, wenn SEIN Weltbild stimmt.
Falwell gehörte zu der Sorte Fanatiker, die sich für bessere Menschen halten, weil sie gegen Schwule, Schwarze, Gewerkschafter, Demokraten und Feministen sind. Und er war immer besonders konsequent – für seine Anhänger haute er auf die Pauke, und hinterher bestritt er einfach gerne mal, die kontroversen Aussagen überhaupt gemacht zu haben…
Es gibt für mich wenige Autoren, deren Werk weit über die Qualität der einzelnen Bücher hinaus strahlt. Schade, dass es sich dabei fast ausschließlich um anglo-amerikanische Schriftsteller handelt, die das heilige Licht der Literatur befeuern. Harlan Ellison. Theodore Sturgeon. Neil Gaiman. Richard Matheson.
Und Kurt Vonnegut. Er ist nicht tot – er hat nur die Gesprächspartner gewechselt. Von Ellison zu Sturgeon, von Gaiman zu Matheson.
Überraschend? Nein. Vor ein paar Monaten trat er in der "Daily Show" auf, und ich erschrak angesichts seines offensichtlichen Endspurts auf der Tartanbahn, die wir Leben nennen…