Thema: Uwe Boll
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Aus "Blickpunkt Film" zum Kinowochenende in Deutschland: "Keine Chance hatte hingegen "Max Schmeling ", der trotz großen Medienechos lediglich vierstellige Besucherzahlen vorweisen kann."
Fairerweise will ich das Debakel gar nicht komplett auf Boll und Maske abladen – auch "Hilde" (gard Knef) lief letztes Jahr schlecht. Ich glaube, dass für Biopics historischer Personen dies/jenseits Hitler nur begrenztes Interesse des Kinopublikums besteht. Selbst Röhlers hoch gelobter "Jud Süss – Film ohne Gewissen" zog letzte Woche nur 25.000 Zuschauer in die Säle.
Im Fernsehen läuft sowas einfach besser…
Wie wohl die meisten meiner Zeitgenossen lese ich die McDonalds Kino News nur im Notfall, wenn ich vergessen habe, eigene Lektüre bei meinen seltenen Filialen-Besuchen mitzubringen. Fastfood-News für Fastfood-Kunden: bunt, mainstreamig, konsumorientiert, und kaum einer wird es mit nach Hause nehmen, um seine Sammlung aller Ausgaben vollständig zu halten.
Unkritische Begeisterung, ungefiltert aus den Pressemitteilungen der großen Konzerne, das ist das Konzept. Eigentlich schade, würde doch gerade die Unantastbarkeit des profitunabhängigen Blättchens tatsächlichen journalistischen Tiefgang erlauben. Die Zeitschrift von WOM hat jahrelang bewiesen, dass es besser geht…
Pissed off turtle is pissed off:
Aus gegebenem Anlass weise ich darauf hin, dass MEINE Schildkröte nicht zur Gewalt neigt, und uns allenfalls auf der Suche nach einem warmen Fuß für ein Nickerchen nachsteigt.
Und damit kommen wir zu Uwe Boll.
Darfour, Vietnam, Tiertötungen, Siegburg. Er lässt kein kontroverses Thema aus, um sich in die Öffentlichkeit zu drängeln. Den Versuch, durch inszenatorische Qualitäten aufzufallen, hat er längst ad acta gelegt. Jetzt gilt: je krasser, desto besser. Die empörten Reaktionen plant er ein, nutzt sie zur Promotion, geriert sich als letzter Aufrechter einer durch und durch korrupten und schwanzlosen Branche…
D 2010. Regie: Uwe Boll. Darsteller: Henry Maske, Heino Ferch, Christian Kahrmann.
NACHTRAG : Gerade aus der Post gefischt:
124 km/h bei 100 erlaubt. Grrr…
Über den (zeitweise verschobenen) Max Schmeling-Film von Uwe Boll hatte ich ja schon im Vorfeld geschrieben. Mittlerweile ist auch Heino Ferch an Bord, und gedreht wird wohl in Kroatien schon nächsten Monat – denn Boll (wie mich ein Kommentator wissen ließ) verhökert jetzt Komparsenrollen auf Ebay.
Sensationeller Deal: Man muss selber hinfahren, das Hotel selbst buchen, und dann kostenlos etwas tun, wofür Statisten sonst bezahlt werden. Immerhin: "Die Verpflegung am Set ist für Sie kostenfrei!". Da sollten dem echten Fan die Taler locker sitzen…
Leider nein: die verlinkte Auktion endete mit 51 Euro…
Ich habe mittlerweile die Hoffnung aufgegeben, nicht mehr über Boll schreiben zu müssen. Klar ist es meine Entscheidung, aber es passieren immer wieder Dinge, DINGE, die meine Finger kribbeln lassen.
Nehmen wir das "Boll Film Fest", welches letzte Woche in Los Angeles stattfand. Echt? Ein Boll Film Fest? Ist das der Regisseur, dessen Oeuvre eine Retrospektive braucht, dessen Gesamtwerk im Kontext gesehen werden muss? Echt jetzt?
Egal. Was mir noch auffällt, ist die freche Behauptung des Posters, es handele sich bei "Far Cry" und "Tunnel Rats" um "Weltpremieren" (zweifellos, um Filmfans ins Kino zu treiben)…
Aus dem Urban Dictionary, frei übersetzt:
bollshit , der
zusammengesetztes Hauptwort, bestehend aus "Boll" (schlechtester Autor/Produzent/Regisseur aller Zeiten – siehe "Alone in the Dark"), und "Bullshit"
Definition:
(1) Beschreibt jedes Produkt aus dem Hause Boll
(2) Beschreibt einen Film, der qualitativ mit einem Boll-Produkt vergleichbar ist
Anwendung:
(1) "Mann, hast du gehört, wer 'Dungeon Siege' verfilmen soll?"
"Ja, aber da kommt doch nur wieder der übliche Bollshit bei raus."
(2) "Wie fandest du die Szene in 'Battlefield Earth', in der Travo…"
"Hör mir auf mit diesem Bollshit"…
Sorry, aber ich bin ausgelaugt, Ende der Woche geht es zwei Wochen nach Ibiza, und die Worte, sie fließen nicht mehr so flüssig wie einst.
Leser Alexander machte mich auf eine faszinierende Kritik zu "Far Cry" in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" aufmerksam:
Da sage einer, der deutsche Blätterwald jenseits der BILD sei nicht mehr zu Realsatire fähig. Und dabei meine ich nicht einmal die Frage, was wohl mit dem "Striemengucken" gemeint ist…
Online findet man den Artikel bei der NOZ übrigens nicht – eine Suche auf der Webseite führt zu einer erheblich stimmigeren Kritik im Veranstaltungskalender "Toaster"…
UPDATE : 45.000 Zuschauer haben am ersten Wochenende den Film in 201 Kopien gesehen – magerer Platz 9 der Charts. Nicht mal schlecht für Boll, aber miserabel für Schweiger.
Kein gutes Omen zum Deutschlandstart von "Far Cry" – Hauptdarstellerin Natalia Avelon distanziert sich bei Clixoom recht deutlich von ihrer neusten Rolle. Angesichts ihrer "Leistung" kann man diese Kommentare allerdings auch als Steinwurf aus dem Glashaus werten…
Grundsätzlich finde ich es nicht legitim, einem Film bei der Promotion in die Kniekehlen zu treten. Natalia hat die Rolle freiwillig angenommen, und ist dafür bezahlt worden, ihr Gesicht hinzuhalten – und das gilt nicht nur für das belichtete Zelluloid, sondern auch für die Vermarktung…