Kino Kritik: RUNNER
USA 2026. Regie: Scott Waugh. Darsteller: Alan Ritchson, Owen Wilson, Rodrigo Santoro, Leila George, Adriana Barraza, Sullivan Stapleton, Peta Sergeant, Geraldine Hakewill u.a.
Offizielle Synopsis: Der ehemalige Elitesoldat Hank Malone verdient sein Geld als Kurier für besonders heikle Frachten und macht dabei um Ärger stets lieber einen großen Bogen, bis ihn eines Tages ein besonders lukrativer Auftrag mitten in eine mörderische Verfolgungsjagd katapultiert. Gemeinsam mit dem medizinischen Kurier Ben soll Hank ein überlebenswichtiges Organ für ein todkrankes, siebenjähriges Mädchen transportieren. Doch ein skrupelloser Verbrecherboss hat es ebenfalls auf die wertvolle Fracht abgesehen. Die Mission eskaliert, als die brutale Gang vor nichts zurückschreckt, das Organ in ihre Gewalt zu bringen. Hank und Ben geraten plötzlich in einen gnadenlosen Wettlauf gegen die Zeit. Während die Straßen entlang der australischen Gold Coast immer mehr zum Schlachtfeld werden, muss sich Hank auch noch den Dämonen seiner eigenen Vergangenheit stellen.
Kritik: Bei diesem Film hatte ich ein brutales Déjà-vu auf gleich mehreren Ebenen. Das Screening fand im GLORIA statt, einem Kino, das sehr selten für Pressevorführungen gebucht wird. In der internationalen Produktion tritt ein Midlevel-Actionstar gegen einen südamerikanischen Bösewicht an. Das Screening wurde zudem extrem früh abgehalten – fast zwei Monate vor dem Kinostart.
All das – und einiges mehr – ist deckungsgleich mit FREELANCE.
Hinzu kommt, dass die Story von RUNNER praktisch identisch mit meinem eigenen VOLLGAS ist – nicht dem Film, den ProSieben produziert hat, aber dem Entwurf, den ich dazu eingereicht hatte. Da sollte der Held nämlich ein Auftragsfahrer sein, der eines Tages ein Organ für ein todkrankes Kind in Rekordzeit zum Hospital bringen muss, dann aber Zielscheibe von Dutzenden von Gangstern wird, die das Organ lieber für einen sterbenden Mafiaboss sichern möchten.
Wenigstens zeigt RUNNER nun, wie VOLLGAS hätte aussehen können…
Zu FREELANCE schrieb ich vor drei Jahren:
Eine im besten wie im schlechtesten Sinne altmodische Actionkomödie im Cannon-Stil der 80er, die sich tonal nicht entscheiden kann und zu insgesamt zu wenig bietet, um einen Kinobesuch zu rechtfertigen.
Das kann man auch für RUNNER sagen. Ja, der Film hat ein solides Tempo, ein paar schmerzhafte Fights, viele Verfolgungsjagden durch Brisbane und einen sauber gesetzten Countdown für den McGuffin der Organkühlbox. Aber er wirkt dabei furchtbar generisch und uninspiriert. Früher hätte man unterstellt, dass der Autor einfach alle Actionklischees der 80er und 90er in den Mixer geworfen hat – heute ist das Äquivalent "der sieht nach KI-generiertem 08/15-Remmidemmi aus".
Klar ist Hank ein schweigsamer, beinharter Kerl. Ex-Elite-Soldat, natürlich. Persönliche Dämonen in Form von Alkohol und gescheiterter Ehe, sicher. Die Chance zur Überwindung seiner Traumata durch die Rettung der kleinen Ellie. Eine Hund & Katz-Beziehung zur Nervensäge Ben Bishop inbegriffen.
Das alles hängt sich so verzweifelt an die abgegriffensten Klischees, dass sich RUNNER als Paradebeispiel der Tropen anbietet, die man eben nicht mehr bedienen sollte. Alles hat ein Verfallsdatum – und praktisch jede Szene hier hat sie überschritten.
Dazu gehört, dass für die Rettung des Mädchens locker 50 Leute über die Klinge springen müssen, Polizisten und Passanten inklusive. The math won’t math.
Das heißt nicht, dass RUNNER wirklich schlecht ist. Er ist nur… meh. Den größten Teil seines Entertainments zieht er nicht aus den bestenfalls kompetent inszenierten Actionszenen, sondern aus dem selbst im Leerlauf spürbaren Charisma von Alan Ritchson und Owen Wilson (der im vergleichbaren NO ESCAPE deutlich mehr überzeugen konnte).
Unter dem Strich ist RUNNER erheblich besser als der hirntote FREELANCE, fühlt sich aber dennoch wie ein Steuerabschreibungsprojekt an, bei dem keiner der Beteiligten mehr als Dienst nach Vorschrift leisten wollte/konnte.
Vom Regisseur von Expend4bles – das mag euch Köder oder Warnung sein.
Fazit: Ein solider mid-budget Actioner für zwischendurch. Das Skript ist etwas hüftsteif und es fehlen die wirklichen Highlights, aber Alan Ritchson empfiehlt sich erneut als der nächste Jason Statham oder John Cena.


