Reparaturgeschichten (1): Return of the Mac
Ich bin seit 10 Monaten der Besitzer eines Macbook Air M4. Generell bin ich mit diesem Upgrade sehr zufrieden. Haptisch und als "daily driver" macht es keinen großen Unterschied, aber unter der Haube hat sich sehr viel getan. Es ist erheblich schneller und ausdauernder als mein altes Macbook pro, das noch auf Intel lief.
Klar wären mir 32gb interner Speicher und eine 512gb-SSD lieber, aber was ist schon perfekt auf diesem miesen kleinen Planeten? Grad mal gar nix.
Tatsächlich schreibe ich diesen Beitrag allerdings auf meinem Macbook Air von 2017. Es hat eine 512gb-SSD, aber nur 8gb internen Speicher. Es läuft zudem noch auf Monterey, weshalb aktuelle Programme nach und nach den Dienst verweigern. Als ich eben hochgefahren bin, meldete sich Google Drive für den Mac ab.
Egal. Ich kann fast alles, was ich täglich brauche, über den Browser nutzen.
Die Frage, WARUM ich gerade an meinem "Oldie" sitze, ist die, um die es heute geht. Ich besitze den Oldie ja nur als Ersatz, wenn der "daily driver" ausfällt.
Es trug sich zu, dass ich letzte Woche mein neues Macbook Air M4 erstmals aufgeräumt habe, weil der Platz auf der Festplatte knapp wurde. Dabei schaue ich auch immer mal unter die Haube, um zu sehen, welche Prozesse im Hintergrund laufen. Zu meiner Überraschung zeigt Coconut an, dass mein Akku nur noch eine Ladekapazität von 87,7 Prozent hat:
Das lässt darauf schließen, dass eine von den Akku-Zellen bereits abgeraucht ist. Nach 291 Ladezyklen ein Unding, Zum Vergleich: mein neun Jahre altes Ersatz-Macbook, das wahrlich ein hartes Leben hinter sich hat, zeigt aktuell 79 Prozent Kapazität und seinen Batteriezustand als "good".
Aber wenigstens befinde ich mich noch innerhalb der einjährigen Gewährleistung. Da sollte eine Reparatur kein Problem sein.
Das Problem: Ich habe mein Macbook Air nicht bei Apple selbst gekauft, sondern bei einem großen Elektronik-Versender, den wir einfach mal laptopszuschleuderpreisen nennen. Dort verkauft man nämlich immer wieder mal die Apple-Geräte der auslaufenden Generation mit einem Rabatt, zu dem Apple selbst nicht bereit ist. Über eine solche Aktion bekam ich das Macbook Air M4 im letzten September für sehr faire 863 Euro.
Und nun musste ich mit laptopszuschleuderpreisen über die Reparatur reden.
Das roch nach Emails und Telefonaten mit einem eher widerwilligen Kundendienst, nach Verschickung des Geräts an mir unbekannte Dienstleister, und nach unberechenbaren Zeiträumen und überraschenden Zusatzkosten.
Wie gut, dass laptopszuschleuderpreisen in der Nähe des Münchner Hauptbahnhofs ein Ladengeschäft hat. Ich bildete mir ein, dort mal freundlich das für alle Beteiligen effizienteste Prozedere erfragen zu können.
Ich spaziere nach dem Pressescreening von ICE CREAM MAN (Review demnächst) also zum Laden. Inmitten von Hunderten von Laptops zu Schleuderpreisen entdecke ich einen jungen Mann, der nach so etwas wie einem Verkäufer aussieht. Ihr kennt die Sorte: Anfang 20 und primär für den Job qualifiziert, weil er schon mit 14 die Grafikkarte eines PC auswechseln konnte – mit verbundenen Augen und einer Hand auf den Rücken gefesselt, den Schraubenzieher zwischen den Zähnen.
Die Sozialkompetenz war kein Einstellungskriterium. Geschult wurde er auch nicht.
Ich gebe mich betont freundlich und nenne die Fakten im tl;dr-Modus:
"Guten Tag! Ich habe vor zehn Monaten bei Ihnen über den Versand ein Macbook Air M4 gekauft. Jetzt zeigt das Gerät eine Batteriekapazität von nur noch 88 Prozent an. Wie können wir das über die Gewährleistung am einfachsten regeln?"
Er schaut mich. Ausdruckslos. Fünf Sekunden. Dann:
"Das kann schon mal vorkommen."
Eine Aussage maximaler Wurstigkeit und minimalen Nutzens.
"Kann, sollte aber eigentlich nicht. Angesichts der Gewährleistung ja auch kein Problem."
Er atmet tief ein, vermutlich enttäuscht, dass ich nach seiner ersten Aussage nicht einfach frustriert von dannen gezogen bin.
"Ob das auf Gewährleistung geht? Ich weiß ja nicht. Mein Handy hat nach einem Jahr auch nur noch 90 Prozent."
Ich habe mal wieder das Gefühl, bei "Verstehen Sie Spaß?!" gelandet zu sein, oder in so einem neumodischen TikTok-Prank. Meine Antwort reflektiert das:
"Ich habe keine Ahnung, was Ihr Handy mit meinem Macbook zu tun hat. Das Gerät hat Gewährleistung und ich erwarte, dass Sie sich kümmern."
Kümmern im Sinne von "was erledigen"? Da ist er überfordert und macht sich erstmal auf die Suche nach einem Chef, den er fragen kann. Findet er aber nicht. Also steht er nach zwei Minuten wieder vor mir. Er versucht es erneut:
"Das mit dem Akku kann schon mal passieren."
Ich atme tief ein und denke mich auf eine Südsee-Insel:
"Ja, kann es. Es kann auch morgen der Bildschirm explodieren oder die Taste E ausfallen. Auch DAS wäre dann ein Fall für die Gewährleistung, Können wir nun an den Punkt kommen, an dem Sie mir sagen, wie das Gerät einzureichen ist?"
Er seufzt tief ob seines undankbaren Loses – Kundenverkehr ist schwer:
"Wir können das schon einschicken. Keine Ahnung, ob die das dann machen und was das kostet. Dauert vier bis sechs Wochen mindestens."
Ich rieche langsam seine Taktik, mir mit Schauermärchen und Verweigerung jeden Anspruch auf Reparatur auszutreiben. Aber nicht mit mir:
"Ehrlich? Sie wollen mir erzählen, dass Sie vier bis sechs Wochen mindestens brauchen, um eine defekte Akkuzelle auszutauschen?"
Nun fühlt er sich bei der Ehre gepackt und geht zur Verteidigung über:
"Bei Saturn und Electronic Partner dauert das genauso lange!"
Okay, ich seh’s ein: Bei dem jungen Mann kuscheln "nicht wollen" und "nicht können" inniglich, da kann ich keine konstruktiven Vorschläge erwarten. Ich verabschiede mich knapp und mache mich von dannen.
Daheim schreibe ich dem Kundendienst von laptopszuschleuderpreisen eine Email und hänge sowohl die Rechnung als auch Screenshots des Problems an. 291 Zyklen, 87,7 Prozent Kapazität. Auch ChatGPT bestätigt, dass DAS auffällig ist.
Kaum zwei Stunden später habe ich eine Antwort. Natürlich werde man sich um das Problem kümmern und natürlich werden mir angesichts der Gewährleistung keine Kosten entstehen. Apple selbst sei in diesem Zeitrahmen für die Reparatur in der Pflicht und mit freundlichen Grüßen sendet man mir die Adresse einer IT-Werkstatt im Saarland, die sich um den voraussichtlichen Austausch des Akkus kümmern wird.
Interessant, dass all das offensichtlich für den Verkäufer Herrschaftswissen war. It’s on a need to know basis, and he didn’t need to know.
Bevor ich mein Macbook Air auf die lange Reise schicke, rufe ich bei der Werkstatt erstmal an. Ich würde gerne wissen, warum laptopszuschleuderpreisen die Verantwortung bei Apple sieht, dann aber an einen Dienstleister am Rande der Republik verweist. Ein sehr freundlicher Techniker erklärt es mir: sie sind zertifiziert, im Auftrag von Apple solche Aufträge zu übernehmen.
Er erklärt mir noch mehr: Wenn sich das Macbook Air noch in der Gewährleistung befindet, kann es erheblich schneller gehen, sich mit Apple vor Ort in Verbindung zu setzen. Tatsächlich haben wir in München ja einen großen Apple Store.
Ich bin etwas baff, dass Apple sich eines Gerätes annehmen will, das von einem Drittversender verkauft wurde, aber in der Tat wird bei der Online-Terminvereinbarung mein Macbook Air problemlos als das Problem von Apple anerkannt. Ich bekomme einen Termin an der Genius Bar in 48 Stunden.
Nochmal: all das sollte zum Standardwissen des Verkäufers von laptopszuschleuderpreisen gehören. Er wäre mich damit in 20 Sekunden losgeworden:
"Gewährleistung? Darum kümmert sich Apple selbst. Geht am schnellsten, wenn Sie gleich mal rüber in den Apple Store marschieren."
War aber augenscheinlich zu viel verlangt.
Der Termin beim Apple Store bringt mich allerdings nicht substanziell weiter. Der Mitarbeiter verbindet das Macbook mit seinem Hausnetz und lässt eine Diagnose-Software laufen. Die meldet: Batterie okay mit 93 Prozent – was angesichts des Produktionsdatums der Batterie vom Mai 2025 keinen Grund zur Beanstandung gibt. Alles im Rahmen des vielleicht nicht Erwünschten, aber Erwartbaren.
Der Mitarbeiter meint noch, dass die App Coconut den Zustand der Akkus seit der Umstellung auf M-Prozessoren nur noch ungenau auslesen kann – keine Ahnung, ob und warum das so ist.
Am Ende: Außer Spesen nix gewesen. Gut, dass wir gesprochen haben.



Zunächst: Herzliches Beileid, dass Apple nicht tauschen möchte. Ich an Herrn Dewis Stelle wäre nach zwei Ladenbesuchen frustriert und sehr verärgert.
Hastige Leser haben es nicht bemerkt. Hastige Leser haben die kleine "(1)" in Klammern in der Headline nicht bemerkt. Für hastige Leser sieht es so aus, als sei die Geschichte mit "gut dass wir gesprochen haben!" zu Ende. Doch wer Herrn Dewi kennt (gar persönlich, oh Schreck), weiß, dass hier noch ein Twist kommt. Ein Twist kommen MUSS. Ein zweiter Teil mit einer kleinen "(2)" in der Headline. Mindestens.
Ich lehne mich mal weeeeit aus dem Fenster und prognostifikationiere, dass die Geschichte eines der drei folgenden Auflösungen hat:
a) Apple hat festgestellt, dass beim Schreiben der Besprechung eines LISA-Films Flüssigkeit in den Apple gelaufen ist. MENSCH, Leute! Tränenflüssigkeit, natürlich!!! Das hat den Akku kaputtgemacht und ist mithin kein Garantiefall.
b) Am nächsten Morgen stand die Batteriezelle gut gelaunt unter der Dusche und feixte: "Ich war fei gar nicht kaputt! Alles war nur ein böser Traum!"
c) Dewi ist mit VOLLGAS und voller HOPE zu APPLE gefahren, weil er grundsätzlich LOTTA LOVE für die Edelmarke empfindet. Nach der kalten Dusche dort hat er "SUMURU, Du mich auch!" genuschelt und ist dann frustriert in der Wabula ein Eis essen gegangen, natürlich seine Lieblingssorte: APOKALYPSE EIS (das ist die Sorte mit Pistazien-Kunstaroma).
d) Siehe da: Nach einer förmlichen Beschwerde (Dewi nutzt dafür das Kundenportal der Deutschen Bahn) stellt sich heraus: Der Verkäufer bei notebooksfueralledenenessostnichtbilliggenugist.de heißt Buwe Oll. Seine Eltern, Familienname Oll, wollten den kleinen eigentlich "Bube" nennen, aber der Standesbeamte (igitt, Beamte! Wieher, oh Schimmel!) hat den Vornamen falsch eingetragen. Was? DOCH, es gibt auch den Familiennamen "Oll". Vor einigen Generationen hat ein fauler Standesbeamter den bekannten Namen "Ott" verunstaltet.
Gut, waren jetzt vier statt drei Versionen. Den Bonus gibt’s kostenlos. Gespannt, was der WoVo uns im Teil (2) seines Drehbuchs serviert. Demnächst in einem Blog ganz bei Euch in der Nähe. (Schwarzblende) SUMMER!
Hochachtungsvoll aus einem sonnigen Bogenhausen
nmh
Spannende Thesen durch die Bank, aber wie so oft ist die Wahrheit profan: es sind gänzlich ANDERE Reparaturgeschichten, die anstehen. Nix Apple.
Steht der Akkuzustand nicht mehr in mAh (zusammen mit dem ursprünglichen Maximalzustand) im Apple Systemprofiler und Coconutbattery rechnet das nur in Prozent um?
So wie ich das verstehe eben nicht – aktuell zeigen die Systemeinstellungen 93 Prozent und Coconut 87 Prozent.
Für die Gewährleistung ist immer der Händler zuständig. Ich vermute mal, Apple hat das Macbook im Rahmen der einjährigen Garantie geprüft.
Oder so rum.
Der Zustand meines Nervenköstums hätte sich während dieser Operation bestimmt dauerhaft um 3 % verschlechtert