Kino Kritik: EVIL DEAD BURN
USA 2026. Regie: Sébastien Vaniček. Besetzung: Souheila Yacoub, Hunter Doohan, Luciane Buchanan, Erroll Shand, Tandi Wright, Maude Davey, George Pullar, Greta Van Den Brink u.a.
Story: Die Französin Alice kehrt nach dem gewaltsamen Tod ihres Mannes in das Haus seiner Familie zurück, wo nicht nur alte Wunden gepflegt und alte Rechnungen bezahlt werden – die Verwandten werden nach und nach von dämonischen Deadites übernommen, die in den Besitz des Dolchs von Kandar kommen wollen, der eine Gefahr für sie darstellt…
Kritik: Die Evil Dead-Franchise begleitet mich seit meiner Teenager-Zeit – seit Kumpel Reiner eine abgenudelte Videokassette mit einem "verbotenen" Film aus der Tasche zog und wir erstmals TANZ DER TEUFEL sahen. TANZ DER TEUFEL 2, weniger ein Sequel als ein professionelleres Remake, bleibt für mich Highlight und Klassiker der Reihe. ARMY OF DARKNESS war dann schon etwas zu überblasen und albern, weil Raimi offensichtlich bereits auf dem Weg nach Hollywood war. Der Neustart 2013 hat mir ausnehmend gut gefallen und ich finde es schade, dass er nicht Grundlage der "next generation" wurde. Die Serie ASH VS. EVIL DEAD lebte den anarchischen Spirit der ersten Filme fort, auch wenn es ihr an dramatischer Schwere mangelte. Ich vermisse sie.
EVIL DEAD RISE erschien mir vor drei Jahren wie ein weiterer guter Neustart:
Eine straffe, bluttriefende Achterbahn, die das Vermächtnis EVIL DEAD gut und frisch verwaltet, ohne allerdings noch mal die pubertäre Begeisterung der 80er zu wecken – "man ist nur einmal jung" gilt für Menschen wie für Franchises. Das ist allerdings mein Problem und nicht das des Films, daher 9 von 10 Punkten.
Allerdings hat man sich nicht entschlossen, direkt daran anzuschließen.
Es ist schon erstaunlich, wie viele Horror-Franchises inzwischen glauben, dass Wiedererkennungswert dasselbe ist wie Identität. EVIL DEAD BURN ist dafür ein Paradebeispiel. Der Film weiß sehr genau, welche Zutaten ein Evil Dead-Film angeblich braucht – das Necronomicon, Besessenheit, literweise Blut, groteske Body-Horror-Effekte, Kettensägen, kreischende Dämonen und eine Kamera, die wie ein tollwütiger Dackel durchs Gebüsch rast. Also wirft er alles gleichzeitig in den Mixer, drückt auf "max" und hofft das Beste…
Das Ergebnis ist leider kein "best of" der Franchise, sondern stückiger Püree.
Dabei wäre es unfair, dem Film jegliche Qualitäten abzusprechen. Immer wieder gelingen Regie und Kamera Szenen von beeindruckender Intensität. Einige Einstellungen sind wunderbar boshaft komponiert, manche Gewaltspitzen angenehm kreativ, und zwischendurch blitzt tatsächlich jener anarchische Spaß auf, der Sam Raimis Originale einst so besonders machte. Einzelne Sequenzen funktionieren für sich genommen hervorragend und erinnern daran, warum diese Reihe bis heute überlebt hat.
In dieser Beziehung ist er zumindest besser als THE MUMMY, den der Regisseur des vorherigen Evil Dead-Films neulich abgeliefert hat.
Nur ergeben ein paar starke Szenen noch keinen guten Film – und schon gar keinen guten Evil Dead-Film. Das hier klingt und schmeckt eher wie ein Produkt aus den Blumhouse/Wan-Werkstätten. Man könnte mit wenigen Änderungen statt Evil Dead auch Conjuring oder Insidious aufs Poster drucken.
Das größte Problem von EVIL DEAD BURN ist seine völlige Ziellosigkeit. Statt einen eigenen Mythos aufzubauen oder die bestehende Welt sinnvoll weiter zu entwickeln, wirkt der Film wie eine KI, die mit dem Prompt "Mach einen Evil Dead-Film" gefüttert wurde. Hier ein bisschen Deadite-Lore, dort ein vertrautes Requisit, dann noch eine Portion exzessiver Splatter und fertig ist das Franchise?
Es fehlt jede innere Logik. Jede Entwicklung scheint lediglich deshalb stattzufinden, weil sie gerade einen netten Schock oder eine blutige Pointe ermöglicht. Die Geschichte stolpert von Setpiece zu Setpiece, ohne jemals einen erzählerischen Sog zu entwickeln. Man schaut zu, registriert den Aufwand und wartet darauf, dass endlich etwas passiert, das mehr ist als die nächste Variation desselben Einfalls.
Besonders übel geht die Entscheidung nach hinten los, das gesamte Finale zum Kampf mit einem miserabel realisierten CGI-Monster ausarten zu lassen, das an die schlechteren THE MUMMY-Sequels und I AM LEGEND erinnert.
Noch gravierender ist allerdings, dass der Film praktisch kein Interesse an seinen Figuren hat – und entsprechend der Zuschauer auch keines entwickelt. Menschen existieren hier hauptsächlich als zukünftiges Dämonenfutter. Ihre Beziehungen bleiben Behauptungen, ihre Konflikte Staffage. Ob jemand überlebt oder spektakulär zerlegt wird, ist erstaunlich egal.
Wo ist Ash, wenn man ihn wirklich braucht?!
Darunter leidet besonders Souheila Yacoub. Sie bringt wenig Präsenz mit und Ihre Figur bleibt so farblos wie ihr Spiel, weil das Drehbuch ihr weder Persönlichkeit noch Entwicklung zugesteht. Man erinnert sich nach dem Abspann eher an eine besonders gelungene Gore-Einstellung als an irgendetwas, das sie gesagt oder getan hätte.
Ich verstehe auch nicht ganz, was der Film soll – angeblich wird ja hier ein Spinoff-Franchise aufgemacht, das EVIL DEAD RISE nachträglich inkorporiert. Das Sequel ist schon in Arbeit. Dafür wird aber viel zu wenig Mühe in Worldbuilding investiert. Das Buch, der Dolch, haufenweise Deadites – das fühlt sich eher nach vagen Elementen eines Videospiels an statt nach einem durchdachten Mythos, den der Zuschauer mit den Protagonisten zusammen erforschen kann. Am Ende dieses EDCU-Beitrages hatte ich keinerlei Interesse, mehr davon zu sehen.
Vielleicht ist das letztlich das Urteil über EVIL DEAD BURN: technisch kompetent, gelegentlich sogar inspirierend, aber emotional vollkommen leer. Der Film kennt sämtliche Markenzeichen der Reihe, versteht aber offenbar nicht, warum sie einmal funktioniert haben. Er reproduziert die Oberfläche eines Evil Dead-Films, ohne dessen anarchische Energie, seinen schwarzen Humor oder seine erzählerische Konsequenz zu erreichen.
Fazit: Eine Handvoll wirklich starker Horrorszenen – und das Gefühl, dass dazwischen erstaunlich viel Leerlauf herrscht. Als banale Horror-Show relativ fix weggeguckt, aber als Teil der Evil Dead-Franchise eine Totgeburt.


Zum KI Thema, wann kommt Cabin in the Woods (enhanced/retould/minus one)….
Die Post-Post-Credit-Szene soll dann wohl die Verbindung zum Vorgänger herstellen. Fand ihn ganz unterhaltsam, das 2013er-Remake bleibt bei den neuen Teilen aber ungeschlagen.
Mal was anderes: Unter Safari (mit oder ohne Ad-Blocker) lässt sich die Seite nicht nutzen, weil das Cookie-Pop-up nicht auftaucht und man nicht scrollen kann. Generelles Problem oder nur bei mir so?
Ich halte das 2013er-Remake ebenfalls für die beste moderne Version. Bei mir geht der Vogel auf Safari problemlos.
Gab es in München eine Pressevorführung? In Berlin gab es seltsamerweise keine.
Ich hatte auch keine Einladung und habe den regulär geschaut. Mag also sein, dass der nicht vorab gescreent wurde.