Fantasy Filmfest Nights 2026 Berlin (1): OBSESSION – DU SOLLST MICH LIEBEN
USA 2025 . Regie: Curry Barker
Darsteller: Michael Johnston, Inde Navarrette, Cooper Tomlinson, Megan Lawless, Andy Richter
Offizielle Synopsis: Bear sehnlichster Wunsch ist es, das Herz seiner Jugendfreundin Nikki zu gewinnen. Dann stößt er auf einen mysteriösen Gegenstand, der auf magische Weise bewirkt, dass Nikki ihm mit Haut und Haar verfällt. Doch sein Traum ist nur von kurzer Dauer: Die Anhänglichkeit seiner Angebeteten verwandelt sich bald in eine monströse Besessenheit, gleich einem Fluch, aus dem es schier kein Entkommen gibt. Körperlich beklemmende Situationen treffen auf psychologische Spannung, bis sich das Gefüge zwischen Wunsch und Wirklichkeit in etwas unheimlich Fremdes auflöst.
Kritik: Ich hatte schon befürchtet, das Festival würde mit einem Beziehungsdrama zum Thema Stalking beginnen, zumal die Veranstalter schon "androhten", dass dieses Jahr die destruktiven Kräfte der Familie im Mittelpunkt stehen werden.
Entwarnung: OBSESSION ist trotz des Chick Lit-Titels ein sehr engagierter kleiner Beziehungs-Horrorfilm aus der "be careful what you wish for"-Ecke, der eine relativ banale Grundidee folgerichtig ausarbeitet und in einem größeren Kontext illustriert, dass Queen recht hatten: too much love will kill you.
Der Unterhaltungswert ist dabei primär Barkers Bereitschaft zur Eskalation und dem auch physisch bemerkenswerten Einsatz der Hauptdarsteller Michael Johnston und Inde Navarrette zu verdanken – wir glauben absolut, dass Bear sich hoffnungslos in die kumpelhaft süße Nikki verknallen würde, und dass eine echte Beziehung der beiden unter keinem guten Stern steht. Friendzone – the movie.
Leider gönnt sich Barker aber doch ein paar Anfängerfehler, die den Gesamteindruck ein wenig trüben und die Punktezahl drücken.
So fehlt in der ersten Hälfte die "honeymoon phase". Es ist sehr wichtig, dass Bear eine Weile lang glaubt, Nikki sei wirklich in ihn verliebt, dass er die Erfüllung all seiner Träume lebt, bevor er widerwillig einsieht, dass irgendwas nicht stimmen kann. Damit mag sich der Film aber nicht aufhalten. Bear weiß sofort, dass Niki unter dem Einfluss des magischen Wunschstöckchens steht. Und Niki dreht augenblicklich von 0 auf 11. Das verhindert, dass wir wirklich verstehen, um was Bear eigentlich kämpft, was er keinesfalls verlieren will.
Dabei wäre gerade nach hinten raus wahrlich genug redundantes Material gewesen, um OBSESSION für diesen "slow burn"-Ansatz etwas zu kürzen. Was er am Anfang nämlich zu hastig angeht, streckt er nach hinten erheblich zu lang.
Ein ganz besonderer "pet peeve" des Wortvogels mal wieder: Das Pärchen hat enthusiastischen Sex komplett in Unterwäsche, weil man in den USA immer noch eher den Leuten die Schädel zerbröseln darf, als eine Brustwarze zu zeigen.
Ich will aber nicht zu sehr hadern (dafür wird bei anderen Festival-Filmen noch Gelegenheit genug sein). OBSESSION ist kein perfekter, aber ein guter Einstieg mit frischen Ideen, der für wenig Geld sehr gut weiß, welche Knöpfe er drücken muss.
Gehörempfindliche Genrefans (gibt es die?) sollten vielleicht draußen bleiben…
Fazit: Ein intensiver, lauter, schmerzhafter, aber gerne auch mal sehr lustiger Abstieg in die Hölle der psychopathischen "Liebe" mit bemerkenswerten Performances der Darsteller. Mit einem etwas sorgfältigeren ersten Akt wären mehr als 7 von 10 Punkten drin gewesen.
S-Man sieht das so: Hat sich nach hinten leider etwas zu sehr gezogen, obwohl sehr früh klar war, was die einzig sinnvolle Lösung sein würde. Aber hey, wie gern hätte ich ihre Rolle gespielt, sie schien einen Heidenspaß zu haben.
Bild des Tages
Zur Abfahrt in München endlich mal wieder ein wirklich lustiges Plakat für eine gute Sache gesehen – indeed, das tut weh:



Sehr guter Film. Es wäre allerdings auch mein großer Kritikpunkt, dass der für den gesamten Erzählbogen wichtige Moment, in dem sich das alles für ihn wirklich wie ein wahrgewordener Traum anfühlt, uns nicht richtig gezeigt wird, sondern in einer Montage versumpft.
Gestern im Kino gesehen und für sehr gut befunden. Finde Bear ehrlich gesagt ziemlich creepy und wenn man drüber nachdenkt, liebt er Niki nicht wirklich sondern vielmehr die Idee, mit ihr zusammen zu sein und nimmt dafür billigend in Kauf, dass die ganze Angelegenheit so hart für alle in die Binsen geht 🙈
Fand den auch ganz gut, obwohl ich die ganze Zeit den Eindruck hatte, die beiden Hauptdarsteller sind Kopien von Jack Quaid und Jenna Ortega. Hätte mich jedenfalls nicht gewundert, wenn die beiden mitgespielt hätten. Sehr "schönes", wuchtiges Ende!
Hätte der Film 2 Mio mehr Budget gehabt, wäre das vermutlich auch der Cast gewesen.