Thema: Sumuru
15 Artikel
Ja, ich habe heute Geburtstag. Da ich aber mit Corona flach liege, bin ich noch weniger als sonst gewillt, deswegen Wind zu machen. It is what it is. Stattdessen sitze ich phlegmatisch in meinem Arbeitssessel und schreibe an ein paar Blogbeiträgen. Bei der Recherche stoße ich zufällig auf etwas, das mich vor Vergnügen quietschen macht: Der populäre YouTube-Kanal <a href=" Recapped (3,14 Millionen Abonnenten!) hat sich vor ein paar Tagen an meinem SUMURU abgearbeitet! Das Video hat bereits unfassbare 717.000 Aufrufe!
Es dürfte kaum eine bessere und/oder kürzere Methode geben, sich einen eigenen Eindruck vom Film zu verschaffen, ohne ihn komplett anschauen zu müssen:
Stört mich die Häme der Nacherzählung oder der Kommentatoren…
Ich habe Harry Alan Towers wahrlich oft genug gebeten, seine Biographie schreiben zu lassen. Mit dem unausgesprochenen Zusatz "… am besten von mir". Irgendwann erwähnte Harry beim Mittagessen, dass er mit einem kanadischen Journalisten dabei sei, sein Lebenswerk zu durchforsten. Wie es aussieht, wurde daraus nichts.
Mir war immer klar, dass es eine schwierige Aufgabe sein würde, Harry Alan Towers zwischen zwei Buchdeckeln gerecht zu werden. Sein Leben war lang, ereignisreich, voller unerwarteter Wendungen – und voller dunkler Ecken, in die er niemanden schauen lassen wollte…
Nach den Dreharbeiten kommt was? Die Postproduktion, genau. Der konnten wir prima über die Schulter schauen, weil die Effekt-Company hier in München ansässig war. Immer wieder fuhr ich bei den CGI-Leuten vorbei, um mir Entwürfe für Shots anzusehen. Man war uns ein wenig gram, dass wir in der letzten Fassung (meiner) mit der Riesenschlange noch ein Monster ins Skript genommen hatten. Das war nicht kalkuliert und kostete brutal viele Arbeisstunden. Würde sich „Sumuru“ als Film auch nur einen Tacken ernster nehmen, würde ich die Schlange als „eher misslungen“ abqualifizieren…
Tatsächlich hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt nie daran gedacht, als Drehbuchautor zu arbeiten. Ich war zwar überzeugt, das notwendige Rüstzeug mitzubringen, aber die Arbeit als Entwickler kam meiner kurzen Aufmerksamkeitsspanne besser entgegen. Doch Peter hatte mich provoziert, hatte behauptet, er könne als Skripter besser beurteilen, welche Erzählperspektive den Film tragen würde. Das wollte ich so nicht stehen lassen.
Und so stand ich eine halbe Stunde später vor meinen Chefs von Tandem und gab das Telefonat nach bestem Wissen und Gewissen wieder. Es half, dass Harry erklärte, mit Peter vielleicht einen für dieses Projekt ungeeigneten Autor an Bord geholt zu haben…
Der Drehort war recht schnell gefunden, besonders weil ich keine Lust hatte, „Sumuru“ in Kanada drehen zu lassen, wo jeder Baum schon Komparsen-Credits in „Stargate“ und „X-Files“ gehabt hatte. „Pitch Black“ war im Kino sehr erfolgreich gewesen und genau so stellte ich mir den Look von Antares vor. Karg, einsam, schwefelig. Harry hatte in den 80ern eine ganze Sackladung Filme für Cannon in Südafrika gedreht und kontaktierte die Produktionsfirma DO Productions vor Ort. Sehr schnell bekamen wir Mappen mit tollen Location-Fotos, die teilweise bereits einigen konkreten Szenen aus unserem ersten Skript zugeordnet waren…
Ich habe lange darüber nachgedacht, ob und wie ich die Produktionsgeschichte von „Sumuru“ (ich ignoriere jetzt einfach mal die diversen Untertitel) erzählen soll. Dass es eine launige Anekdotensammlung ist, steht außer Frage. Aber sie betrifft auch meine damaligen Arbeitgeber, zeigt nicht immer die schönsten Seiten des menschlichen Charakters und verlangt auch eine gewisse Diskretion, die nicht zuletzt meiner Loyalität gegenüber diversen Beteiligten geschuldet ist.
Kurz gesagt: dünnes Eis mit vielen Tretminen.
Sei’s drum.
Es gilt der übliche Disclaimer: Das ist die Geschichte, so wie ich mich an sie erinnere…
Alexandra Kamp war vor, während und nach den Dreharbeiten von "Sumuru" ziemlich cool. Ich habe sie selber damals nicht getroffen, aber so wurde es mir zugetragen. Auch in den Bildern zur Produktion kommt das rüber, wie ich finde.
Nun hat sie bei YouTube ein kurzes Video mit Bloopern (neudeutsch für "Versprecher") hochgeladen, das ich euch nicht vorenthalten will:
P.S.: Nach sechs Jahren ist die Webseite zum Film, zu der ich in der Seitenleiste immer noch verlinke, anscheinend endgültig tot. Irgendwie schade.
Manchmal macht man etwas nicht, und erst Jahre später dämmert einem, dass das vielleicht auch ganz gut so war.
Wie ihr wisst, habe ich seinerzeit das Drehbuch von "Sumuru" übernommen, und komplett neu geschrieben. Der resultierende Film lief erfolgreich auf RTL2. Was kaum noch einer weiß: die Produktionsfirma bat mich seinerzeit, auch noch ein Konzept für eine TV-Serie zu schreiben, die an den Film anschließt. Ist ja auch inhaltlich kein Problem: am Ende des Films fliegen die Helden (und ein Häufchen Getreue) mit einem uralten Raumschiff ins All, auf der Suche nach den Resten der Menschheit (die von einem Gen-Virus dezimiert wurde)…
Leser Sirk hat es gerade vermeldet: Vor knapp einer Woche ist der legendäre B-Film-Produzent Harry Alan Towers verstorben. Er wurde 88 Jahre alt.
Ich habe seinerzeit mit Harry den Film "High Explosive" für ProSieben entwickelt, und er hat meinen ersten Film "Sumuru" in Südafrika produziert. Über unsere vielen gemeinsamen Abenteuer habe ich bereits ausführlich geschrieben. Dort findet ihr auch ein Video-Interview mit dem alten Haudegen.
Man kann nicht sagen, dass Harry zu früh abgetreten ist – einen Tag nach meinem 41. Geburtstag hätte er seinen 89…
Über meine Abenteuer mit dem Trashfilm-Produzenten Harry Alan Towers habe ich 2008 schon ausführlich geschrieben.
Ein halbstündiges Video-Interview mit vielen Filmausschnitten sollte vor ein paar Jahren dazu dienen, neue Partner an Land zu ziehen, denn Harry plante u.a. einen Börsengang. Das hat sich wohl zerschlagen, die entsprechende Webseite gibt es auch nicht mehr.
Um das Video nicht ebenso verschwinden zu lassen, habe ich es bei YouTube für euch hochgeladen – ein Schmankerl für Fans klassischer B-Movies:
Man mag es kaum glauben – Harry lebt und arbeitet noch (er ist 88!), aber der Interviewer Sheridan Morley verstarb im Februar 2007 im Alter von 65 Jahren…