• Der neue SPIEGEL mit einem alten Ärgernis


    Obwohl ich den gedruckten SPIEGEL vor mehr als einem Jahr abbestellt habe, musste ich mir die "Überarbeitung" des Layouts mal anschauen.

    Gefällt mir. Vor allem, weil sie so dezent ist. Es wird nur angepasst, was angepasst werden muss – wie schon vor 17 Jahren, als man sich hörbar seufzend dem Vorbild des "Focus" anschloss und Farbfotos zur Regel machte. Der SPIEGEL ist knorrige Kontinuität in dem Wissen, dass die Auflage dadurch auch nicht mehr zu retten sein wird. Letztlich macht sich das Flaggschiff des deutschen Nachrichtenjournalismus damit nur fit für die Zielgerade der Printbranche…

  • Eine Nacht, wie ich keine zweite brauche


    Eigentlich wollte ich heute mit der neuen Blog-Serie "Der unvorhersehbare Alltag von Rufus & Becky" beginnen (Arbeitstitel), denn wir haben zwei neuen Katzen, was mit entsprechend "cat content" gefeiert werden muss. Rufus sitzt in diesem Augenblick am Fußende des Sofas und leckt mir das Bein.

    Aber das Leben ist mir dazwischen gekommen – mit einem Ereignis, dessen Schilderung mehr dramatische Potenz besitzt als alles, was unsere kleinen Scheißerchen hier gerade anrichten.

    Es begann recht harmlos. Die LvA bereitete uns das gemeinsame Essen zu, lecker überbackenes Huhn mit Kartoffelgratin, dazu Erbsen…

  • Das Wortvogel-Manifest: Wofür ich stehe (2)


    Ich war beeindruckt von den konstruktiven und positiven Kommentaren zum ersten Teil dieser kleinen Reihe. Vielleicht liegt es daran, dass es leichter ist, sich zu konkreten Vorschlägen zu äußern als zu der weiter verbreiteten schwammigen Kritik am Status Quo. Wie Linus von den Peanuts mit einem Schild "Ich bin dagegen!" rumlaufen kann schließlich jeder. Findet auch immer Anhänger.

    Heute mache ich mir ein paar Gedanken über Kultur und Bildung.

    Kulturkanon als politische Bildung neu definieren
    Bei der Bundeszentrale für Politische Bildung kann man sich super Informationen holen, kostenlose Bücher, Schriften über die Arbeit der Regierung…

  • Lieber Vatikan…


    … hier in Speyer läuten gerade die Glocken, als müsste man die Welt erinnern, dass es dich noch gibt. Dabei sind Fernsehen und Zeitschriften dieser Tage voll von dir, feiern oder zumindest verfolgen deine ganz persönliche WM, deinen Grand Prix, deine Wrestlemania. Vielleicht gehört es zur gelebten Menschlichkeit der Katholischen Kirche, dass an diesem Wochenende gleich zwei Sieger gekürt und in die klerikale "Hall of Fame" aufgenommen werden.

    Die meisten Leser erwarten von mir, dass ich mich nun hämisch äußere, den Pomp und die Absurdität der Veranstaltung ins Lächerliche ziehe und die Überlegenheit der Glaubensfreiheit (im Sinne von "frei von Glauben", nicht "frei zu glauben") proklamiere…

  • Hand drauf – eine klitzekleine Geschichte


    Es scheint, als habe mich Karma für den Abend in Osterwieck belohnen wollen – Donnerstag und Freitag war ich in einem Bauernhofmuseum und habe mit örtlichen Handwerkern satte vier Reportagen gestemmt. Anstrengend, aber angefüllt mit tollen Locations, netten Menschen und Königswetter.

    Beim letzten Shooting war ich relativ durch, saß etwas abseits vom eigentlich Geschehen auf der Mauer eines alten Brunnens. Eine sehr schlanke Katze kam vorbei, plumpste vor mir in das Gras und rollte sich auffällig hin und her. Hier wollte jemand gestreichelt werden. Ich tat ihr den Gefallen – selten habe ich eine so liebesbedürftige Schnurrerin getroffen…

  • Das Wortvogel-Manifest: Wofür ich stehe (1)


    Ich glaube, man sollte Stellung beziehen. Sich nicht nur links oder rechts verorten, nicht nur in einzelnen Gesprächen einzelne Standpunkte vertreten. In den letzten Monaten habe ich es als sehr therapeutisch empfunden, auch im Kontext von Facebook-Diskussionen meine eigenen politischen, moralischen und gesellschaftlichen Grundsätze zu präzisieren. Manchmal in Form knapper Leitsätze, manchmal in Form flapsig formulierter Kommentare wie diesem:

    "Nichts ist radikalisierten Minderheiten so zuwider wie eine zufriedene Mehrheit. In deren Augen ist eine zufriedene Mehrheit immer gleich eine tumbe, hirnlose, ignorante Masse von Schafen, die nicht das Licht sehen will…

  • Lost in Ost: Ein dunkler, einsamer Abend im Osterwieck


    Ich bin entwurzelt in diesen Wochen, entfremdet und ruhelos. Nach 25 Jahren aus einer Großstadt in die Provinz gezogen, zwischen Kisten lebend, für meine Zeitschrift viel auf Reisen, Schränke durch Koffer ersetzt. Einpacken, auspacken, waschen.

    Osterwieck. Wie bin ich nach Osterwieck gekommen? Eine Reportage. Jemand möchte uns seine Heimat vorstellen, den Harz. Von der Redaktion bin ich halbgar gebrieft: Nur wenige Kilometer bis zur früheren deutsch-deutschen Grenze, ehemals Hochburg sozialistischer Metallverarbeitung, beliebte Wandergegend. Den Brocken kenne ich als „Hexenberg“ aus einem John Sinclair-Roman. Clooney hat hier neulich „Monuments Men“ gedreht…

  • Literadelnde Nebenjobs (Nachtrag)


    Der Mensch lebt nicht vom Wortvogel allein – und der Wortvogel schon gar nicht. Muss ich erfreulicherweise auch nicht. Trotz meines momentanen Arbeitsvolumens, das beträchtlich ist (dazu nächste Woche mehr), habe ich mich hinreißen lassen, auch mal wieder schreiberische Gastauftritte zu absolvieren.

    So konnte ich der Einladung, einen Beitrag für "Topf voll Gold" zu schreiben, nicht widerstehen. Keine Polemik – konkrete Vorschläge zum Problem der Paparazzipresse. Dass diese folgenlos bleiben werden, liegt in der Natur der Sache.

    Auch bei Hyperland bin ich mal wieder vertreten…