• Provokation als Publicity: Nina Hagen Edition


    Über Nina Hagens musikalisches Können und ihre musikhistorische Bedeutung kann ich nichts sagen – ich kenne zu wenig von ihr, um kompetent zu sein. Das bisschen, was ich kenne, finde ich manchmal erfrischend rebellisch, manchmal aber auch maßlos affektiert.

    Der "öffentliche Mensch" Nina Hagen ist mir allerdings schon immer ungeheuer auf den Keks gegangen, weil die Frau eine Eigenschaft hat, die mich triggert: sie taumelt von einer Scheißidee zu nächsten, von der Sucht in die Sekte, mutiert von der Anarcho-Braut zur Volks-Mama – und verlangt für jeden ihrer Hirnfurze lautstark Respekt…

  • Deutschland, deine Dokumentaristen: Haben wir zu wenig Kultur für die Kulturgeschichte?


    Langjährigen Lesern meines Blogs ist bekannt, dass bei uns daheim bevorzugt britische Dokumentationen geschaut werden. Natur, Kultur, Kulinarik – irgendwie scheinen die englischen Sender deutlich breiter und besser aufgestellt, wenn es darum geht, die vergangene und aktuelle Welt abzubilden und aufzuarbeiten. Das gilt besonders, seit sich bei uns das widerliche Stilmittel durchgesetzt hat, zu wirklich jedem Thema irgendein paar unbeteiligte Spaßnasen vorgefertigte Sprüche absondern zu lassen:

    "Bismarck? Wieso Kanzler? Ich dachte, der hat den Hering erfunden!"

    Lange Zeit unterstellte ich, dass Deutschland vielleicht zu wenig Themen hat, zu wenig relevante Geschichte(n) jenseits des totdokumentierten Dritten Reichs samt folgendem Wirtschaftwunder mit den immer gleichen Aufnahmen von Trümmerfrauen und Mauerbau…

  • Island = Fiesland? Quatsch: Paradiesland!


    Die LvA schenkt mir zu Weihnachten gerne Sachen, von denen wir beide was haben. Unter dem Christbaum 2016 lag deshalb eine Reise nach Island. Hatte ich jetzt nicht wirklich als einen der "100 places to go before you die" auf dem Zettel, aber man ist ja flexibel und neugierig. Island also. Es hilft, dass ein paar meiner Romane teilweise auf Island spielen – mal schauen, wie sehr ich bei der Beschreibung daneben gelegen habe.

    Eigentlich war geplant und gebucht, nach zwei Tagen Reykjavik mit dem Wagen zur Ostseite der Insel zu fahren…

  • ESC 2017: Nachgedanken und Fazit


    Okay, weil heute anscheinend jeder noch mal den ESC rekapituliert, hier meine 2 Cents:

    Ein guter Jahrgang, in dem deutlich mehr regionale Aspekte und Lokalkolorit präsentiert wurden. Ich begrüße die geringere Anzahl an Power-Balladen und Faux-Musical-Nummern, bei denen Damen in langen Kleidern melodramatisch die angespannten Hände gen Himmel strecken. Diesmal keine reine Gag-Nummer. Tolle virtuelle (durch reale Requisiten ergänzte) Bühnenbilder.

    Auf der Minus-Seite: Entsetzliche Moderatoren. Die zweigeteilte Punktevergabe ist scheiße, bitte zurück zum alten System.

    Ich kann mit dem Siegersong gut leben, habe die vielleicht einen Tacken zu hippe Heulnummer gestern so beschrieben: "Ein Song, zu dem ich in einsamen Nächten weinen werde und der mich versteht, obwohl ich ihn nicht verstehe…

  • Eine kleine Freitagsgeschichte von Friseuren und Frechdachsen


    Ich gehe ungefähr so gern zum Friseur, wie ich zum Zahnarzt gehe. Das Problem ist beim Friseur allerdings weniger der drohende körperliche Missbrauch, sondern der mühsame Versuch von Smalltalk. Ich kann keinen Smalltalk. Da ich über den Friseur nichts weiß und er nichts über mich, gibt es allerdings auch nichts anderes als Smalltalk, über das/den man reden könnte. Darum habe ich vor einigen Jahren begonnen, mir Friseure zu suchen, die ihr Handwerk nicht als plauderigen Zeitvertreib sehen, sondern als Akkordarbeit.

    Kurden, missgelaunt und verschwitzt, ziehen mir seitdem grob den Bartschneider über den Hinterkopf (9 Millimeter), sprühen dann oben ein bisschen, schnipp schnapp…

  • Superhelden-Overkill-Apokalypse


    In den letzten drei, vier Jahren bin ich von einem großen Befürworter von Superhelden-Verfilmungen zu einem weitgehend schweigenden Kritiker geworden. Und heute will ich über die Gründe schreiben. Anlass ist dieser Teaser Trailer für eine NEUE Marvel X-Serie von Brian Singer:

    Das sieht nicht schlecht aus, auch wenn der endgültige Trailer am 15.5. sicher eine bessere Einordnung zulässt. Trotzdem war meine Reaktion:

    "fer fucks' seek, not anuther 'un!!!"

    Ich brauche eigentlich gar nicht zu argumentieren – es reichen die Zahlen. Hier die 2017 in die Kinos gekommenen/kommenden Superhelden-Blockbuster:

    Logan Lego: Batman Movie Guardians of the Galaxy 2 Thor 3: Ragnarok Justice League Wonder Woman Spider-Man: Homecoming Bloodshot

    Dabei zähle ich nicht mal die Quasi-Superhelden-Verfilmungen wie "Power Rangers" oder "Transformers"…